Neuer Meilenstein in der Brustkrebsbehandlung
Untersuchung des Wächter-Lymphknotens bei Brustkrebspatientinnen
In der Behandlung von Frauen mit Brustkrebs haben sich in den letzten 20 Jahren mehrere Durchbrüche entwickelt, die die Behandlung fühlbar verbessert haben. Der erste Meilenstein stellt dabei die Etablierung der brusterhaltenden Therapie bei Brustkrebs dar, die heute als Standart angesehen wird. Die gefürchtete Abnahme der Brust muß heute nur bei ca. einem Drittel der Frauen durchgeführt werden. Bei der Mehrheit der Frauen kann jedoch die Brust mit einem guten kosmetischen Resultat erhalten werden.
Die Voraussetzung für diese spürbare Verbesserung ist eine gute Frühdiagnostik durch die niedergelassenen Frauen- und Röntgenärzte. Trotz aller Unkenrufe besteht im Kreis Düren doch eine gut funktionierenden Brustkrebsvorsorge, so sind ca. 60 % der in der Gynäkologischen Klinik des Krankenhauses Düren operierten Mammakarzinomfälle noch ohne Lymphknotenbefall. Dies waren im Jahr 2002 immerhin 51 von 85 betroffenen Frauen. Diese Frauen können sich darüber freuen, daß sie eine sehr gute Überlebenschance bzgl. ihrer Erkrankung haben, wenn die Therapie konsequent durchgeführt wird.
Andererseits ist es schade, daß die Lymphknoten aus der Achselhöhle in diesen Fällen sozusagen unnötig entfernt worden sind. Aus der Entfernung der Lymphknoten der Achselhöhle entstehen auch heute noch Beschwerden bei der Beweglichkeit des Armes, Gefühlsstörungen an der Innenseite des Oberarmes und im Bereich der Narbe.
In Einzelfällen kommt es auch heute noch zum Anschwellen der Arme bei Bewegung. Insofern besteht seit langem der Wunsch, diese lymphknotenfreien Patientinnen präoperativ zu erkennen.
Seit einigen Jahren gibt es hierzu eine gut etablierte Methode. Es soll der sogenannte Wächterlymphknoten entdeckt werden, der als erstes von Lymphknotenmetastasen befallen wird. Dieser sogenannte Wächterlymphknoten kann auch aus zwei bis drei Lymphknoten bestehen.
Durch eine Zusammenarbeit zwischen Nuklearmedizinern, Operateuren und Pathologen können diese Wächterlymphknoten mit einem spezialisierten Verfahren während der Operation aufgespürt und entdeckt werden. Sind diese Wächterlymphknoten tumorfrei, kann evtl. auf die komplette Ausräumung der Achsellymphknoten verzichtet werden.
Diese Methode wurde in den führenden internationalen Brustkrebszentren entwickelt. Bei Auswertung der Daten zeigte sich dabei, daß bei dem Wächterlymphknotenverfahren nur in etwa 5 % der Fälle ein befallener Lymphknoten übersehen wird. Deshalb müssen alle Frauen, die sich diesem Verfahren unterziehen, nach der Operation vierteljährlich die Achselhöhle abtasten und durch Ultraschall überprüfen lassen. Wenn sich dabei ein vergrößerter Lymphknoten findet, muß die Achsellymphknotenentfernung nachgeholt werden.
In Deutschland läuft derzeit eine große wissenschaftliche Untersuchung, an der viele Kliniken im ganzen Land teilnehmen, um die Anwendbarkeit der Wächterlymphknotenmethode in der Routine zu überprüfen. Die Voraussetzung für diese Studie ist, daß man in ca. 50 Fällen nachgewiesen hat, daß man nur ca. 5 % falsch negative Wächterterlymphknoten bei seinen eigenen Patientinnen auffindet. D.h., daß nur solche Kliniken das Verfahren anwenden können, die die korrekte Durchführung dieser Methode auch wirklich belegen können. Erfreulicherweise konnte durch eine Zusammenarbeit der beteiligten Kliniken des Krankenhauses Düren dieser Qualitätsstandard nun nachgewiesen werden.
Wir können somit Patientinnen diese Methode zukünftig anbieten. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, daß die Patientin versteht, daß bei dieser Methode noch nicht alle Fragen beantwortet sind. Der Standardbehandlung ist nach wie vor die komplette Ausräumung der Achselhöhle. In günstig gelagerten Fällen und bei erklärtem Wunsch der betroffenen Frau nach ausführlicher Aufklärung über die Vor- und Nachteile dieser Methode kann jedoch ein Teil der Frauen die Ausräumung der Lymphknoten erspart werden.
Hier zeichnet sich nach Meinung vieler Experten ein weiterer Meilenstein in der Brustkrebsbehandlung ab, die die Belastung der Operation der betroffenen Frauen merklich herabsetzt.
Im Kreis Düren ist mit ca. 150 primären Mammakarzinomfällen pro Jahr zu rechnen. Ca. 60 % dieser Frauen sind Lymphknoten negativ. Bei konsequenter Anwendung der Methode könnten ca. 60 Frauen im Jahr die Lymphknotenausräumung aus der Achselhöhle erspart werden. Dies ist ein lohnendes Ziel an dem wir weiter gemeinsam intensiv arbeiten werden. |  | | | | Operation am Wächterlymphknoten | | | |
| | | Es bleibt nur eine winzige Narbe | | | |
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