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Den einjährigen Ausbildungsgang in der Gesundheits- und Krankenpflegeassistenz nehmen sie als große Chance wahr: Kathrin Zando und Alexander Cieslinski. Foto: Christoph Lammertz

Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflegeassistenten: Eine Chance für beide Seiten

Ihre Lebensgeschichten sind sehr unterschiedlich. Und dennoch haben diese 16 Menschen eines gemeinsam: Sie tragen einen Rucksack, der gefüllt ist mit einer schwierigen Bildungsbiografie oder anderen sozialen Lebenserschwernissen. Langzeitarbeitslosigkeit, Migrationshintergrund, Erziehungszeiten – das sind die Hauptursachen dafür, dass auf dem Arbeitsmarkt kein Platz für sie war. Bis zum vergangenen Frühjahr, als das Krankenhaus Düren, die Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft low-tec und die job-com ihnen eine Tür öffnete: Seit Mai werden sie im Krankenhaus Düren in der Gesundheits- und Krankenpflegeassistenz ausgebildet. Ein Jahr lang dauert dieser von der low-tec begleitete und der job-com geförderte Ausbildungsgang – und die Aussichten, danach eine feste Stelle zu finden, sind gut.


„In der Pflege werden in den kommenden Jahren viele Leute gebraucht“, weist Kathrin Zando auf den drohenden Pflegenotstand hin. Schon jetzt geht die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz in der Pflege deutlich zurück. Prognostiziert wird, dass in einigen Jahren tausende von Stellen landauf landab nicht mehr besetzt werden können. „Wir werden gebraucht“, ist Kathrin Zando deshalb sicher, mit der Ausbildung im Krankenhaus den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Die 41-Jährige hat 13 Jahre in Spanien gelebt und konnte danach als allein erziehende Mutter in ihrem alten Beruf als Arzthelferin nicht wieder Fuß fassen. Doch die Mutter von zwei 16 und 11 Jahre alten Jungen gab nicht auf und griff zu, als sich die Chance ergab: „Diese Ausbildung im medizinischen Bereich kommt meinen Neigungen entgegen. Deshalb habe ich mich sofort dafür interessiert.“
Sich nach vielen Jahren noch einmal auf die Schulbank zu setzen, bereite ihr keine Probleme, sagt sie. Im Gegenteil: „Auch wenn wir in der Klasse eine größere Altersspanne haben, verstehen wir uns sehr gut. Der Zusammenhalt ist super.“


Das bestätigt auch Alexander Cieslinski. „Es macht Spaß, hier zu lernen“, sagt der junge Mann, der 1980 in Polen geboren wurde. Auch er fühlte sich von der Möglichkeit, am Krankenhaus eine einjährige Pflegeassistenz-Ausbildung zu absolvieren, gleich angesprochen. „Die Krankenpflege liegt mir gewissermaßen im Blut“, sagt Alexander Cieslinski: „Meine Mutter hat als Krankenschwester gearbeitet, mein älterer Bruder ist Krankenpfleger an der Uniklinik in Düsseldorf.“ Und eigene Pflege-Erfahrung hatte der 34-Jährige auch schon gesammelt, bevor er im Krankenhaus Düren in die Ausbildung startete: „Meine Großmutter war lange Zeit pflegebedürftig. Ich habe ihre Pflege übernommen und gespürt, dass mir das liegt.“


Was Kathrin Zando und Alexander Cieslinski als sehr positiv empfinden, ist die Art, wie sie vom Pflegepersonal im praktischen Teil ihrer Ausbildung behandelt werden. „Keiner schaut auf uns herab nach dem Motto: Die machen ja nur eine einjährige Assis-tenten-Ausbildung“, freut sich die 41-Jährige. „Wir können alles fragen und werden nach besten Kräften unterstützt.“ Optimistisch blicken deshalb beide aufs nächste Frühjahr, wenn die Prüfungen anstehen. Und sie denken schon weiter. „Die einjährige Ausbildung ist vielleicht die Basis, um die dreijährige Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin anzuschließen“, blickt Kathrin Zando voraus. Eine Option, die auch Alexander Cieslinski für sich schon ins Auge gefasst hat. Vieles hat sich für beide zum Guten gewendet. Und die Rucksäcke, die sie und ihre 14 Mitschüler zu tragen haben, werden langsam leichter.

 

Zusatzinfo:

Die Kooperationspartner Krankenhaus Düren, low-tec und job-com wollen mit der Einrichtung des einjährigen Ausbildungsgangs in der Gesundheits- und Krankenpflegeassistenz neue Zielgruppen für einen Bereich gewinnen, in dem die Zahl der Bewerber kontinuierlich zurückgeht. Das Krankenhaus Düren arbeitet schon seit einigen Jahren mit innovativen Ausbildungskonzepten gegen diesen Trend: So bietet das Krankenhaus von derzeit 120 Ausbildungsplätzen in der Gesundheits- und Krankenpflege in Teilzeit an. Die einjährige Assistenten-Ausbildung erfolgt in Trägerschaft des bei der low-tec angesiedelten Evangelischen Fachseminars für Altenpflege. Vor ihrem Ausbildungsbeginn werden die Teilnehmer in einer Vorschaltmaßnahme des Fachseminars auf die Ausbildung am Krankenhaus vorbereitet.