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Brauchen die Pflegenden eine eigene Kammer? Maria Tschaut, Harald Meyer, Gabriele Jendzey, Sandra Postel, Heinz Lönneßen und Jochen Vennekate gaben Antworten.  Foto: Julia Cremer

 

Diskussion im Bildungszentrum des Krankenhauses Düren zeigt die unterschiedlichen Positionen auf

In Rheinland-Pfalz ist die Pflegekammer seit zwei Jahren Realität. In Niedersachsen arbeitet eine Gründungskonferenz und in Schleswig-Holstein findet im April die erste Kammerversammlung statt. Geht es nach Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann soll auch Nordrhein-Westfalen eine Interessenvertretung der Pflegenden bekommen. In einer repräsentativen Befragung soll ermittelt werden, ob die Pflegefachkräfte durch eine echte Kammer oder durch eine Vereinigung beruflich Pflegender ohne hoheitliche Aufgaben vertreten werden wollen.

Für Sandra Postel weisen die Argumente einen klaren Weg. „Nur mit einer Pflegekammer bekommt die Politik einen eindeutigen Ansprechpartner und eine Weiterentwicklung des Pflegeberufes“, sagt die Vizepräsidentin der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Sie war Gast im Bildungszentrum des Krankenhauses Düren, das gemeinsam mit dem Evangelischen Fachseminar für Altenpflege der Lowtec ins Kongresszentrum der Klinik zu einem Forum eingeladen hatte. Rede und Antwort standen neben Sandra Postel auch Jochen Vennekate, Experte im Deutschen Bildungsrat für Pflegeberufe und Geschäftsführer der Christlichen Bildungsakademie in Aachen, und Verdi-Sekretärin Maria Tschaut.

In ihrem Vortrag richtete Sandra Postel ihren Blick auf die zergliederte Landschaft der Fachverbände in der Pflege: „Natürlich brauchen wir die Expertise der kleinen Verbände genauso wie die der Gewerkschaften, aber es muss Schluss sein mit der Fremdbestimmung, wenn es um Weiterbildung geht, wenn es um berufsethische Fragen geht. Da brauchen wir in den Ländern einen zentralen Ansprechpartner.“ Das könne keine lose Vereinigung leisten, die in Abhängigkeit von finanziellen Zuwendungen staatlicher Einrichtungen steht. Das Argument, Pflichtbeiträge zur Pflegekammer würden eine unzumutbare Belastung für die Pflegenden darstellen, entkräftete sie. „98 Prozent unserer Mitglieder in Rheinland-Pfalz zahlen maximal 9,80 Euro.“

Die Gewerkschaft Verdi begleitet die Entwicklungen zur Selbstverwaltung der Pflegenden dagegen mit Skepsis. „Es ist staatliche Aufgabe, die pflegerische Versorgung der Menschen im Land sicherzustellen“, argumentierte Maria Tschaut, die von ihrem Gewerkschaftskollegen Harald Meyer unterstützt wurde. Die Pflegekammer würde der Politik lediglich die Tür öffnen, um sich aus der Verantwortung stehlen zu können. „Die Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen brauchen mehr Kolleginnen und Kollegen, um ihren Beruf dauerhaft gesund und mit Freude auszuüben.“ Das Problem sei nicht das Fehlen einer Pflegekammer.

Gegen die Vermischung von Themen wehrte sich Jochen Vennekate. „Natürlich wird die Pflegekammer nichts am Personalmangel ändern. Das ist auch nicht die Aufgabe einer Pflegekammer.“ Die Stärke der Pflegekammer liege vielmehr in der Entwicklung einer Weiterbildungsordnung. Für Nordrhein-Westfalen habe das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung gerade nachgewiesen, dass es keine Systematik pflegerischer Fachweiterbildungen gebe. Vielmehr bestimme ein Flickenteppich unterschiedlichster Interessengruppen und Fachverbände die Pflegebildung.

Die sich anschließende engagierte Diskussion machte deutlich: Die von Heinz Lönneßen, dem Leiter des Bildungszentrums, moderierte Veranstaltung konnte nicht alle Fragen klären. Das Thema muss in die Pflegeeinrichtungen getragen werden. Referenten, die auch kleine Teilnehmergruppen informieren, könnten kostenlos unter der Rufnummer 0177-7204904 oder über das Bildungszentrum des Krankenhaus Düren angefordert werden.