4. Dürener Workshop Infektiologie

4. Workshop Infektiologie 4. Workshop Infektiologie Krankenhaus Düren

Resistenzentwicklung Einhalt gebieten und Krankenhausinfektionen minimieren

Voll besetzt war das Kongresszentrum beim 4. Dürener Workshop Infektiologie, den das Zentrum für Infektiologie und Krankenhaushygiene zusammen mit der Anästhesieabteilung und der Infektiologie-Kommission des Krankenhauses Düren am 5. Juli 2017 veranstaltete.
Nach 2-stündigem interaktiven Kleingruppen-Workshop am Krankenbett auf der operativen Intensivstation stellten im Kongresszentrum drei Referenten den 60 Teilnehmern „Innovative Ansätze in Infektionsprophylaxe und Antiinfektiva-Therapie“ vor.

Prof. Dr. Sebastian Lemmen, Krankenhaushygieniker und Infektiologe am Klinikum Aachen, der seit über 15 Jahren eng mit dem Krankenhaus Düren zusammenarbeitet, präsentierte neue Erkenntnisse zur Vermeidung und Behandlung der Clostridien-Enteritis.

Diese mit massiven Durchfällen einhergehende Komplikation von ambulanten oder stationären Antibiotikagaben führt immer wieder zu komplexen Krankheitsverläufen, die eine erhebliche Gefahr für Patienten und eine ständig zunehmende Belastung für das Gesundheitswesen darstellen. Prof. Lemmen wies in seinem Vortrag anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse nach, dass zur Vermeidung dieser in mehr als zehn Prozent der Fälle tödlichen Erkrankung insbesondere der restriktive Umgang mit Antibiotika und – falls doch nötig – die sachkundige Wahl eines Antibiotikums (Antibiotic Stewardship) viel entscheidender sind als die Einzelzimmer-Isolierung betroffener Patienten, die von diesen oft als sehr belastend empfunden wird. Die Gefahr der Übertragung im Krankenhaus wurde nämlich bisher nach aktuellen Studien deutlich überschätzt.
Die Essener Krankenhaushygienikerin und Antibiotic Stewardship Expertin Anna Eva Lauprecht zeigte in ihrem sehr praxisnahen Vortrag auf, wie mit einfachen Mitteln bakterielle Resistenzen und Antibiotikanebenwirkungen minimiert werden können. Mit intensiven Schulungen für Ärzte ist es in Ihren Essener Kliniken gelungen, die Antibiotikaanwendungsraten, Resistenzraten sowie die Clostridien-Enteritis-Fälle dramatisch zu senken. Dazu setzen die Essener Ärzte unter anderem ein „Selbstklebendes Antibiotika- Memory-System“ (SAMS) in Form von briefmarkengroßen Klebeetiketten in den Patientenkurven ein, das zu einer Systematisierung der ärztlichen Entscheidung über das Anund Absetzen von Antiinfektiva sowie deren einfacher Dokumentation führt.

Privatdozent Dr. Roland Schulze-Röbbecke, Krankenhaushygieniker aus Aachen und Mitherausgeber der Fachzeitung „Krankenhaushygiene up2date“, zeigte in seinem Vortrag das Potential einer Infektionsprävention mit Hilfe von Maßnahmenbündeln auf, die auf die Vermeidung von Wundinfektionen nach Operationen, von Lungenentzündungen bei beatmeten Patienten und von Blutvergiftungen bei liegenden Venenkathetern abzielen.
Wichtig hierbei erscheint, dass bis zu fünf wissenschaftlich erforschte und evidenzbasierte Maßnahmen in einem leicht umzusetzenden Bündel zusammengefasst und mit Unterstützung der leitenden Ärzte und Pflegenden intensiv geschult werden.
Prof. Dr. Stefan Schröder, Dr. Jan Karl Schütte und Dr. Bernhard Heising als Veranstalter zeigten sich sehr zufrieden mit der guten Resonanz auf die Fortbildung. Die Referenten und viele Teilnehmer trafen sich bei einem anschließenden „Get Together“ mit Stehimbiss noch in lockerer Runde zu Vernetzung und zum fachlichem Austausch.

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