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Informativ, interessant und sehr gut verständlich waren die Vorträge der Referenten beim Forum "Medizin hautnah" zum Thema Krebsvorsorge. Foto: Jörg Abels, Dürener Zeitung / Dürener Nachrichten

Die Botschaft beim Forum „Medizin hautnah“ im vollbesetzten Tagungszentrum des Dorint-Hotels war unmissverständlich: „Gehen Sie zur Krebsvorsorge!“. 150 Besucher waren der Einladung von Krankenhaus Düren, Dürener Zeitung/Nachrichten und der AOK gefolgt und informierten sich umfassend über dieses so wichtige Gesundheitsthema.

Viele Vorsorgeuntersuchungen werden von den gesetzlichen Kassen übernommen, wie Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Michael Flaßhove in seiner Einführung hervorhob, beispielsweise Darmspiegelungen bei Männern ab dem 50., bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr; Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen zwischen dem 50 und 69. Lebensjahr alle 24 Monate; Abtasten der Prostata bei Männern ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich. Denn je früher eine bösartige Gewebeveränderung erkannt wird, desto besser stehen die Heilungschancen, wie die leitenden Mediziner des Krankenhauses immer wieder betonten. Beim Darmkrebs, der zweithäufigsten Krebstodesursache in Deutschland, muss es sogar gar nicht erst zur Erkrankung kommen, wenn zum Beispiel bei einer Darmspiegelung frühzeitig die behandelbaren Vorstufen, sogenannte Polypen, entdeckt und entfernt werden, wie Chefarzt Dr. Serhat Aymaz verdeutlichte.

Dass trotzdem nur 27 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen die Vorsorgeangebote wahrnehmen, mag verschiedenste Gründe haben: Unwissenheit, Angst oder einfach nur die Scheu vor unangenehmen Situationen, wie dem Abtasten der Prostata durch den Dickdarm beispielsweise. Und natürlich kommt niemand bei einer Darmspiegelung am Abführmittel vorbei, schließlich kann nur ein leerer Dickdarm auch untersucht werden. „Heute aber sind es nicht mehr vier Liter wie früher, sondern nur noch ein halber Liter am Vortag und ein halber Liter am Tag der Untersuchung, erklärte Dr. Aymaz. Vielleicht nicht schön - aber wenn damit die Darmkrebssterblichkeit um 25 Prozent gesenkt werden kann, sicherlich mehr als überlegenswert.

Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland jährlich mehr als 70.000 Frauen neu an Brustkrebs erkranken und es somit statistisch jede achte bis zehnte  Frau treffen kann, warb Dr. Telja Pursche für die Mammografie, bei der die Brust zwar eingespannt werden muss, was aber bei richtiger Anwendung nicht wehtun müsse. „Lassen Sie sich nicht von einer schlechten Erfahrung abhalten“, ermutigte die Leiterin des Brustzentrums im Krankenhaus Düren die anwesenden Frauen. Sensibel sollten vor allem diejenigen sein, in deren Familien es häufiger zu Brust- oder Eierstockkrebsfällen gekommen ist. Sie könnten ein Krebsgen in sich tragen.

„Mann informier dich“, forderte auch Urologe Priv.-Doz. Dr. Christof Börgermann und versuchte, dem schlechten Ruf der Prostata-Früherkennung entgegenzuwirken. Da sich bei der Tastuntersuchung nur etwa ein Drittel der Prostata fühlen lasse, sei die Alternative die Bestimmung des sogenannten PSA-Wertes mithilfe einer Blutentnahme, wobei der Wert immer individuell vom Experten interpretiert werden müsse. Nicht immer sei unmittelbar eine Therapie, die auch unangenehme Folgen wie Inkontinenz oder Impotenz mit sich bringen kann, erforderlich. „Nur bei 20 von 100 Männern gibt es einen auffälligen Wert.“ Börgermann betonte auch, dass bildgebende Verfahren bei der Prostataerkennung zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Davon geht Dr. Tobias Döring auch bei der Lungenkrebsvorsorge aus. Bei Hochrisikopatienten könnte eine strahlenarme Computertomografie helfen, Gewebeveränderung frühzeitig zu erkennen und die Todesrate um 20 Prozent zu senken. Denn Beschwerden treten in der Regel  erst im fortgeschrittenen Stadium auf, wenn es oft schon zu spät ist, betonte Döring. Und natürlich wies er darauf hin, dass Nichtrauchen die beste Vorsorgemöglichkeit sei. „87 Prozent aller Lungenkrebsfälle kommen vom Rauchen.“ Aber auch andere bösartige Erkrankungen können vom Rauchen ausgelöst werden.

Jörg Abels, Dürener Zeitung / Dürener Nachrichten