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Die Kardiologen Dr. Hermann Roth und Dr. Ingo Zillessen (Mitte) informierten leicht verständlich über das Vorhofflimmern. Dr. Detlef Struck (mit Mikrofon) und zwei angehende Notfallsanitäterinnen übten mit den Besuchern die oft lebensrettende Herzdruckmassage. Foto: Christoph Lammertz

Wie kann man Vorhofflimmern erkennen und den normalen Herzrhythmus wieder herstellen? Welche Fortschritte gibt es bei den Medikamenten? Welche Gefahren sind mit dem Vorhofflimmern verbunden? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema „Herz außer Takt“ erhielten über 100 interessierte Gäste beim Patientenforum der Kardiologie im Krankenhaus Düren. Chefarzt Dr. Hermann Roth und sein Stellvertreter Dr. Ingo Zillessen informierten leicht verständlich und beantworteten im Anschluss die zahlreichen Fragen der Besucher.

Anschaulich gab der Chefarzt zunächst einen Überblick über Anatomie und Funktion des Herzens. Er erklärte, wie ein gesundes Herz arbeitet, sprach über normale Pulsfrequenzen und die elektrischen Erregungsabläufe, die den Herzschlag steuern. Dr. Roth legte damit die Grundlage für den Vortrag des Leitenden Oberarztes, der den Bogen von der Diagnose über die möglichen Auslöser und die mit dem Vorhofflimmern verbundenen Risiken bis zu den Therapiemöglichkeiten schlug. „Mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern“, berichtete Dr. Zillessen. Als Ursachen kämen hoher Blutdruck (70 Prozent der Patienten), koronare Herzkrankheit, Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen, Überfunktion der Schilddrüse oder Lungenerkrankungen in Frage. Bei einigen Patienten finde sich allerdings gar keine Ursache.

Doch was passiert eigentlich beim Vorhofflimmern? „In den Vorhöfen kreisen elektrische Erregungswellen mit Frequenzen von über 350 ´Schlägen` pro Minute und sorgen in den Kammern für eine chaotische Herzschlagfolge“, erklärte der Kardiologe. Mögliche Symptome seien Herzrasen, Herzklopfen, ein Druckgefühl im Brustkorb, Atemnot, Schwindel oder eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Wird das Vorhofflimmern diagnostiziert, sei es das Ziel, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen, sagte Dr. Zillessen. Dies könne mit Medikamenten, zum Beispiel Betablockern, erreicht werden. Für Patienten, die trotz Behandlung mit Rhythmusmedikamenten unter deutlichen Beschwerden leiden, komme eine Katheterablation in Frage. Vorhofflimmern werde durch elektrische Störimpulse aus den vier Lungenvenen ausgelöst, die in den linken Vorhof münden, erklärte der Experte. Durch das gezielte Setzen von Narben ließen sich an dieser Stelle elektrische Barrieren aufbauen, die das Auftreten von Vorhofflimmern verhindern.

Eine große Gefahr sei es, dass Vorhofflimmern bei manchen Patienten ohne jegliche Beschwerden auftritt, sagte Dr. Zillessen: „Wer Vorhofflimmern hat, ohne es zu wissen, ist gefährdet, einen Schlaganfall zu erleiden.“ In Folge des Flimmerns könne es in den Vorhöfen zur Bildung von Blutgerinnseln kommen, die – vom Blutstrom fortgeschwemmt – zum Schlaganfall führen können. Aber das Risiko lasse sich mit Hilfe von Blutverdünnern erheblich senken, betonte Dr. Zillessen. Eine Alternative zu den Medikamenten sei der Vorhofverschluss, bei dem ein „Stöpsel“ zum Eingang des Vorhofohres geführt wird.

Nachdem der Kardiologe noch einmal für die Vorbeugungsmaßnahmen gegen Herzerkrankungen geworben hatte (körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, Abnehmen bei Übergewicht, nicht rauchen, Alkoholkonsum einschränken, Stress abbauen), gab es für die Besucher noch eine ganz praktische Zugabe: Dr. Detlef Struck, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes Kreis Düren, erläuterte, was zu tun ist, wenn jemand einen Herzstillstand erlitten hat. An lebensnahen Puppen durften die Besucher anschließend unter Anleitung die Herzdruckmassage üben.

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