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Nach dem Vortrag von Dr. Hermann Roth demonstrierte Dr. Detlef Struck die richtige Technik bei der Herzdruckmassage. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, an Übungspuppen zu trainieren. Foto: Christoph Lammertz

Der plötzliche Herztod kündigt sich selten an. Oft hatten die Betroffenen vorher keinerlei Beschwerden und wussten nichts von einer Herzerkrankung. „Der plötzliche Herztod reißt Menschen mitten aus dem Leben“, berichtete Dr. Hermann Roth, Chefarzt der Kardiologie im Krankenhaus Düren, beim Patientenforum im Foyer des Krankenhauses. 120 Interessierte waren der Einladung zur Veranstaltung gefolgt, die Dr. Roth unter die Überschrift „Bedrohliche Herzrhythmusstörungen – Wie schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod“ gestellt hatte.

Zum besseren Verständnis der medizinischen Vorgänge beim plötzlichen Herztod stellte der Chefarzt zunächst den Aufbau und die Funktionsweise des Herzens vor. „Eine elektrische Steuerung sorgt dafür, dass die vielen Muskelzellen in diesem Organ koordiniert miteinander arbeiten“, erklärte der Kardiologe. Die Ursachen für Störungen in diesem komplexen System seien vielfältig. Ein Versagen des Systems beim plötzlichen Herztod werde am häufigsten durch Kammerflimmern ausgelöst, das sich aus sehr schnellen Herzrhythmusstörungen entwickelt, sagte Dr. Roth. Der häufigste Auslöser sei dafür bei älteren Menschen die Koronare Herzkrankheit, also die Einengung der Herzkranzgefäße und den dadurch verursachten Sauerstoffmangel in Teilen des Herzens. Bei jüngeren Leuten seien Herzmuskelentzündungen (zum Beispiel durch verschleppte Infekte) und andere Erkrankungen des Herzmuskels, Störungen der „Elektrik“ des Herzens, angeborene Herzfehler oder auch Drogenmissbrauch die häufigsten Ursachen.

Von den Ursachen lasse sich ableiten, wie man sich vor dem plötzlichen Herztod schützen kann, erklärte Dr. Roth. So sollten die bekannten Risikofakoren für die Koronare Herzrkrankheit, unter anderem falsche Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen, vermieden werden. Mit Blick auf Herzmuskelentzündungen sollten Sportler darauf achten, einen Infekt richtig auszukurieren, bevor sie wieder aktiv werden. „Sport ist gut, aber Exzesse sind schlecht“, warnte der Chefarzt vor übertriebenem Ehrgeiz. Zu besonderer Vorsicht riet Dr. Roth denjenigen, in deren Familien bereits Menschen unerwartet plötzlich gestorben sind. Da genetische Dispositionen eine Rolle beim plötzlichen Herztod spielen können, sollten sie medizinisch abklären lassen, ob sie besonders gefährdet sind.

Dass der plötzliche Herztod nicht tödlich enden muss, betonten Dr. Roth und Dr. Detlef Struck, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Düren, an diesem Abend ganz besonders. Die Chance, das Herz wieder in Gang zu bekommen, hänge aber ganz entscheidend davon ab, wie schnell mit einer Herzdruckmassage begonnen wird, erklärte Dr. Struck. Anders als beispielsweise im Nachbarland Holland, wo 70 Prozent der Umstehenden sofort mit der Herzdruckmassage bei einem Betroffenen starten, ist es in Deutschland leider immer noch nur jeder Dritte. Deshalb hieß es beim Patientenforum auch diesmal wieder „Mitmachen!“: Viele Besucher des Forums nutzten die Gelegenheit, an Übungspuppen die richtige Technik zu trainieren, damit sie im Ernstfall Leben retten können.