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Und das Becken kreisen lassen: Die Besucher des Patientenforums nahmen die Bewegungspause dankend an. Foto: Christoph Lammertz

Knapp 200 Besucher beim Forum „Medizin hautnah“ zur Volkskrankheit Rückenschmerz

Etwa eine Stunde lang hatten sie gesessen und aufmerksam zugehört. Und was hatten die Experten vorher gesagt? „Eine Haltungskonstanz sollte vermieden werden!“ Es war also an der Zeit, sich zu erheben und zum Wohle des Rückens aktiv zu werden. Und genau das machten sie nun, die knapp 200 Besucher des Patientenforums „Medizin hautnah“ im Krankenhaus Düren. Unter Anleitung von Sportwissenschaftlerin Christiane Kraft ließen sie Becken kreisen und Beine schwingen. Mittendrin: die drei Mediziner, die an diesem Abend unter der Überschrift „Neues zur Volkskrankheit Rückenschmerz“ viel Wissenswertes über Prävention, Diagnostik und Therapie zu berichten hatten.

12,6 Milliarden Euro – diese unvorstellbaren Kosten verursachen Rückenleiden pro Jahr in Deutschland. „Gemessen an den Arbeitsausfalltagen sind sie das Volksleiden Nr. 1, weiß Daniel Schmidt, Oberarzt der im Krankenhaus Düren. Er widmete sich beim Patientenforum, das vom Krankenhaus wieder mit der Dürener Zeitung und der AOK veranstaltet wurde, dem Thema Prävention. „Vorbeugung ist das A und O“, betonte Schmidt und gab den Besuchern eine ganze Reihe handfester Tipps mit auf den Weg. „Bleiben Sie nicht stundenlang unbewegt vor dem PC sitzen“, riet er beispielsweise den Büro-Arbeitern. Ansonsten lasse es sich kaum vermeiden, dass die gesamte Nackenmuskulatur versteift und irgendwann Schmerzen verursacht. Zwischendurch einmal recken und strecken, zum Telefonieren aufstehen, mal rüber ins Büro des Kollegen gehen, statt ihm eine Mail zu schreiben – der Rücken werde es garantiert danken, sagte der Oberarzt. Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik und die Kräftigung von Rücken und Bauchmuskulatur seien wertvolle Präventionsmaßnahmen. Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking könne er als gelenkschonende Ausdauer-Sportarten empfehlen.
Und wenn es für die Prävention zu spät ist, weil der Rücken schon schmerzt? „Dann können wir Sie erst einmal beruhigen: 80 bis 90 Prozent aller Rückenbeschwerden klingen innerhalb der ersten sechs Wochen wieder ab“, sagte der Leitende Oberarzt der , Dr. Michael Alefeld. Er sprach über die Diagnose von Rückenleiden und betonte: „Ganz wichtig ist, dass wir uns viel Zeit nehmen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen.“ Das sei bei Rückenbeschwerden nicht einfach, weil die Ursachen sehr vielfältig sein können. Der Arzt müsse viele Aspekte berücksichtigen, unter anderem auch neurologische und psychische Belastungen, die durchaus Auslöser von Rückenschmerzen sein können. Die Möglichkeiten der Radiologie nutze ein verantwortungsvoller Mediziner in der Regel erst, wenn klar ist, dass der Schmerz nicht vorübergehend war – auch um den Patienten nicht unnötig der Belastung durch Röntgenstrahlen auszusetzen. Zudem sei es nicht selten, dass Schädigungen, die im Röntgen-, im CT- oder MRT-Bild erkennbar sind, überhaupt keine Schmerzen bereiten und die Ursache ganz woanders liegt.

„Es gibt Patienten mit klar zu erkennenden Bandscheibenvorfällen, die überhaupt keine Schmerzen haben“, schloss Dr. Bertram Barden, Chefarzt der , an Dr. Alefelds Ausführungen an. „Die Sache mit dem Rücken ist leider etwas komplizierter und deshalb auch nur interdisziplinär anzugehen“, betonte Dr. Barden und verwies auf die enge Kooperation mit den anderen Kliniken des Hauses, mit Schmerztherapie, Physiotherapie und Sporttherapie. „Wir Chirurgen haben zwar Operieren gelernt, aber wir müs-sen beim Rücken lernen, genau hinzusehen“, sagte der Chefarzt. Mit dem Messer lasse sich nichts ausrichten, wenn zum Beispiel ein Burnout die Ursache von Schmerzen ist. Bei 95 Prozent der Rückenbeschwerden sei keine OP nötig. Auch die meisten Bandscheibenvorfälle ließen sich konservativ behandeln. „Wenn aber doch operiert werden muss, wenn beispielsweise schon Lähmungen auftreten, dann können wir die Patienten beruhigen: Die Bandscheiben-OP ist eine der sichersten Operationen überhaupt und lässt sich minimal-invasiv, also mit einem ganz kleinen Schnitt durchführen“, betonte Dr. Barden.