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Donnerstag, 20 August 2020 14:10

Ein Eingriff für mehr Lebensqualität

„Da war der Nerv eingeklemmt“, erklärt Dr. Marco Gerards seinem Patienten Paul Erven. Mithilfe einer mikrochirurgischen Technik weitete Marco Gerards die betroffenen Stellen und verhalf dem 82-Jährigen wieder zu neuer Lebensqualität. „Da war der Nerv eingeklemmt“, erklärt Dr. Marco Gerards seinem Patienten Paul Erven. Mithilfe einer mikrochirurgischen Technik weitete Marco Gerards die betroffenen Stellen und verhalf dem 82-Jährigen wieder zu neuer Lebensqualität. Foto: C. Lammertz

Wenn das Gehen zur Qual wird, leidet die Lebensqualität. Ganz erheblich sogar. Dann ist es Zeit, einen Experten aufzusuchen. So wie es Paul Erven getan hat. Der 82-Jährige klagte seit Jahren über schlimme Schmerzen in den Beinen. Und weil sich trotz aller Bemühungen keine Linderung einstellte, suchte er Rat in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Krankenhaus Düren. Dort wurde erkannt, wie ihm geholfen werden kann.

„Bei unserer Untersuchung ergab sich, dass die Ursache in der Wirbelsäule zu finden war“, erklärt Dr. Marco Gerards, Leitender Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie. Aufgrund einer sogenannten Spinalkanalstenose wurden im Bereich der Lendenwirbelsäule die Nerven eingeklemmt. Mithilfe einer mikrochirurgischen Technik unter dem OP-Mikroskop weitete Dr. Gerards die verengten Stellen, um die Nerven zu befreien. „Die Komplikationsrate der Operation ist sehr gering, der Zugewinn an Lebensqualität aber enorm“, berichtet der zertifizierte Wirbelsäulenchirurg (Deutsche Wirbelsäulengesellschaft) aus den Gesprächen mit vielen Patienten, denen es nach dem Eingriff wieder wesentlich bessergeht. 

„In der Bevölkerung gibt es eine Hemmung, vielleicht sogar eine Angst, sich im fortgeschrittenen Alter an der Wirbelsäule operieren zu lassen“, sagt Dr. Gerards. Viele Patienten würden zudem aufgrund ihres Alters die Schmerzen und Einschränkungen als gegeben und nicht mehr veränderbar hinnehmen. Gerade bei reduzierter Gehstrecke oder Fallneigung sollte man sich aber untersuchen und beraten lassen, rät der 43-Jährige und versichert: „In vielen Fällen können wir mit der orthopädischen Chirurgie helfen.“

Es ist nämlich nicht ungewöhnlich, dass im Verlauf eines natürlichen Alterungsprozesses Verengungen im Wirbelsäulenkanal entstehen. Je nachdem, in welcher Höhe der Wirbelsäule die Nerven bedrängt werden, zeigen sich vom Oberschenkel bis zur Fußsohle Symptome wie Taubheit oder Schmerz. Im Volksmund ist von der „Schaufensterkrankheit“ die Rede, wenn Schmerzen im Bein selbst kürzere Wege zur Qual werden lassen und Betroffene oft Pausen einlegen müssen. Starke Rücken- und Bauchmuskulatur sowie gezielte Physiotherapie ist für jeden Rücken wichtig. Bei fortschreitender Verengung stoßen diese Maßnahmen jedoch oft an ihre Grenzen. Ein operativer Eingriff kann dann helfen, die Mobilität wieder zu erhöhen.

Ein Großteil der Beschwerden rund um die Wirbelsäule tritt auf, weil die Bandscheiben mit den Jahren verschleißen. „Bandscheibenrisse sind relativ selten. Meist treten sie auf, wenn schwere Sachen falsch gehoben wurden und es Vorschädigungen gab“, sagt Dr. Gerards. Einseitige Belastungen, keine ausreichende Stützmuskulatur, falsche Körperhaltung aufgrund langer sitzender Tätigkeiten am Computer – wir Menschen neigen oft dazu, nicht besonders pfleglich mit unserer Wirbelsäule und den Bandscheiben umzugehen. Kommt es dann meist im Alter zwischen 30 und 50 Jahren zu einem Bandscheibenvorfall, wird am Krankenhaus Düren eng mit der Physiotherapie, der multimodalen Schmerztherapie und der radiologischen Intervention zusammengearbeitet, um Patienten Linderung zu verschaffen. Wenn der Bandscheibenvorfall keine Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen auslöst, besteht die Möglichkeit, in Kooperation mit der radiologischen Abteilung mit Hilfe der Computertomographie eine Injektion genau im Bereich des abgedrückten Nervs zu platzieren, um die Schmerzen zu lindern.

Sind die Schmerzen durch den Bandscheibenvorfall zu groß oder drohen Nerven irreversibel geschädigt zu werden, muss operiert werden. Dabei wird unter dem OP-Mikroskop schonend über einen kleinen Zugang zur Bandscheibe der Vorfall entfernt. Nur bei sehr ausgedehnten Befunden oder immer wiederkehrenden Vorfällen wird ein Wirbelsäulensegment künstlich versteift. So wird die Bandscheibe in ihrer Aufgabe als „Abstandshalter“ zwischen den Wirbeln unterstützt. Dr. Gerards: „Eine Versteifung führt zu etwa fünf Prozent Beweglichkeitsverlust – die meisten Patienten verspüren keinerlei Einschränkungen, dafür aber deutlich mehr Lebensqualität.“

Die Wirbelsäule ist noch aus einem anderen Grund eines der Spezialgebiete der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie: Das Krankenhaus Düren ist einziges regionales Traumazentrum im Kreis Düren. Daher werden an der Roonstraße auch schwere Verletzungen der Wirbelsäule operativ therapiert. „Ob Verschleiß oder Unfallfolge, hier erhalten Sie die richtige Therapie aus einer Hand“, betont Dr. Marco Gerards.

 

Zertifizierter Wirbelsäulenchirurg

Dr. Marco Gerards ist zertifizierter Wirbelsäulenchirurg. Über knapp zwei Jahre hat er sein Fachwissen in Theorie und Praxis vertieft, um das von der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft verliehene Zertifikat zu erhalten. Während dieser komplexen Fortbildung profitierte der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie auch vom Wissens- und Erfahrungsaustausch mit anderen Wirbelsäulenchirurgen und Neurochirurgen. Sein Ziel ist es, das Krankenhaus Düren als Wirbelsäulenzentrum zu zertifizieren. Die Infrastruktur des Krankenhauses unter anderem mit angeschlossenem Gesundheitszentrum, Physiotherapie und anderen medizinischen Spezialdisziplinen, wie etwa die ansässige Gefäßchirurgie, Infektiologie und Schmerztherapie sind ideal. Die Qualitätskriterien werden bereits heute erfüllt.

 

 Dieser Bericht ist erschienen in der Ausgabe 2_2020 des Gesundheitsmagazins InForm, herausgegeben vom Krankenhaus Düren.

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