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Informierten beim Forum „Medizin hautnah“ über das Thema Inkontinenz - Prävention, Diagnose und Therapie": Petra Sammans (Physiotherapeutin), Dr. Heike Matz (Chefärztin der Frauenklinik), Dr. Guido Breuer (stellvertretender Chefarzt der Urologie) und Dr. Christof Börgermann (Chefarzt der Urologie). Das Krankenhaus veranstaltete "Medizin hautnah" wieder mit der AOK (im Bild Thomas Prell, Geschäftsstellenleiter Düren-Jülich) und der Dürener Zeitung (im Bild Redakteurin Sarah Maria Berners).

„Ich wette, Sie wissen, ob ihre Freundin Blutdrucktabletten nimmt. Aber ob sie wegen Inkontinenz Vorlagen benutzt, das wissen Sie nicht.“ Mit diesen Worten verdeutlichte Dr. Guido Breuer, stellvertretender Chefarzt der Urologie am Krankenhaus Düren, wie tabuisiert Inkontinenz und Senkungsbeschwerden in der Gesellschaft sind – und das, obwohl Millionen Frauen betroffen sind und Milliarden Euro für Vorlagen ausgegeben werden.

Inkontinenz und Senkungsprobleme können sich auf viele verschiedene Arten bemerkbar machen – und sie können ebenso viele Ursachen haben. Und die Mediziner kennen verschiedene Lösungen für diese Probleme. Aber sie können nur helfen, wenn betroffene Frauen die Ärzte auch aufsuchen. Genau das passiert bei gesundheitlichen Problemen mit hohem Peinlichkeitsfaktor aber oftmals nicht. „Dabei brauchen Frauen sich gar keine Sorgen vor der Untersuchung zu machen“, erklärte Dr. Guido Breuer beim Patienforum "Medizin hautnah“ im Krankenhaus Düren.

Neben einem Fragebogen und einem Protokoll sei es vor allem eine Ultraschalluntersuchung, die den Ärzten zeige, wo das Problem liegt. „Der Vorteil dieses schmerzfreien Verfahrens ist das zeitgleiche Untersuchen aller an der Kontinenz beteiligten Strukturen wie Blase, Scheide, Enddarm, Beckenbodenmuskel und Schließmuskel in einer Untersuchung. Und das sowohl in ‚Ruhe‘ als auch bei ‚Belastung‘ wie Husten oder Pressen“, verdeutlichte Breuer. Die Ärzte können so schnell sehen, wie sie den Patientinnen helfen können. Bei dieser Untersuchung könnten die Patientinnen den Beckenboden erleben und erfahren – und dabei könnten fehlerhaft durchgeführte Beckenbodenübungen eindrücklich verdeutlicht werden. Urologie und Gynäkologie des Dürener Krankenhauses, die bei der Behandlungen von Inkontinenz und Senkungserkrankungen eng zusammenarbeiten, sind auf diese Untersuchungsmethode seit langem besonders spezialisiert.

Um Inkontinenz und Senkungsbeschwerden vorzubeugen und zu therapieren, ist eine Beckenbodengymnastik nur unter fachlicher Anleitung empfehlenswert. „Im Internet veröffentlichte Übungen sind oftmals eher schädlich“, erklärte Physiotherapeutin Petra Sammans den mehr als 120 Zuhörern. Die Therapeutin verdeutlichte, dass es neben gezielten Übungen auch darauf ankomme, den Beckenboden im Alltag zu schonen – durch richtiges Heben und eine gute Haltung auf der Toilette beispielsweise: „Beim Pipimachen und beim Stuhlgang müssen Sie entspannen. Pressmanöver belasten den Beckenboden.“ Beim Niesen sollten Frauen den Kopf zur Seite drehen, um den Druck zu minimieren.

Wenn Gymnastik bei Inkontinenz und Senkungsproblemen oder gar Scheidenvorfällen nicht mehr hilft, gibt es eine Bandbreite von Hilfsmitteln, mit denen die Beschwerden gelindert werden können – etwa durch das Einführen von stützenden „Tampons“ oder Würfeln. Aber auch mit Hormonsalben und Operationen können die Mediziner helfen. „Dabei können wir in vielen Fällen durch die Scheide operieren oder mit minimalinvasiven Eingriffen helfen, also ohne den Bauch zu öffnen“, erläuterte Dr. Heike Matz, die Chefärztin der Frauenklinik. Dabei wisse sie, dass auch beim Thema Hormonsalben die Skepsis oft groß sei. „Aber geringe Dosierungen können oft schon sehr viel bewirken.“

Die Besucher der Veranstaltung nutzten nach den Vorträgen die Gelegenheit, um viele Fragen zu stellen. „Wichtig ist, dass sie den Arzt ihres Vertrauens aufsuchen, wenn sie Beschwerden haben, die Sie in irgendeiner Form belasten“, betonten die Mediziner. Diese könnten dann eine entsprechende Überweisung in die Klinik ausstellen. "Bei uns kümmern sich dann Urologen und Gynäkologen gemeinsam um Sie. Das ist wichtig, um Sie bestmöglich therapieren zu können", betonte Dr. Christof Börgermann, Chefarzt und der Urologie und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses, zum Abschluss noch einmal die besondere Bedeutung der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit im Dürener Krankenhaus. 

Sarah Maria Berners, Dürener Zeitung