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Mehr als 150 Interessierte wurden im Foyer des Krankenhauses von der Expertenrunde umfassend über Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms informiert. Foto: Christoph Lammertz

Informationsabend zum Prostatakrebs. Krankenhaus Düren als Vorreiter.

Düren. Unter den Krebserkrankungen nimmt das Prostatakarzinom eine Sonderrolle ein. Häufig sind Tumoren in dieser Drüse, die an der Produktion der männlichen Samenflüssigkeit beteiligt ist, klein und wachsen nur sehr langsam. Etwa zehn Prozent der Patienten sterben am Prostatakrebs, während es bei manch anderer Tumorerkrankung mehr als 95 Prozent sind. Männer, bei denen ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, haben also sehr gute Chancen, mit dieser Erkrankung noch sehr alt zu werden.

Und das in vielen Fällen ohne Operation oder Bestrahlungstherapie. Bei vielen der Patienten reicht eine aktive Überwachung des Tumors vollkommen aus. Um diesen Patienten mehr Sicherheit und Vertrauen in diese Entscheidung zu geben, bietet das Krankenhaus Düren eine zusätzliche Untersuchungsmethode an: Mit der DNA-Bild-Zytometrie, bei der die Erbsubstanz der Krebszellen genau analysiert wird, lassen sich sehr genaue Aussagen darüber treffen, wie aggressiv der Tumor ist und wie er sich entwickeln wird. Dieses Verfahren, bei dem die Klinik an der Roonstraße Vorreiter ist, wurde jetzt im Rahmen einer Informationsveranstaltung vorgestellt, zu dem das Krankenhaus und die AOK Rheinland/Hamburg eingeladen hatten.

Mehr als 150 Interessierte wurden im Foyer der Klinik unter der Überschrift „Therapie-Alternativen beim Prostatakarzinom" aber nicht nur über die DNA-Bild-Zytometrie informiert, sondern erhielten einen umfassenden Überblick über Diagnose und Therapiemöglichkeiten beim Prostatakrebs. „Bei der Urologie im Krankenhaus Düren sind Sie in sehr guten Händen", verwies Barbara Feykens (AOK) in ihrer Begrüßung auf Statistiken ihrer Krankenkasse zum Behandlungserfolg, in denen die Dürener Urologie weit über dem Durchschnitt liege.

Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Christof Börgermann und sein Stellvertreter Dr. Guido Breuer verdeutlichten im Lauf des Abends, das hinter solchen Statistiken viele wohlüberlegte Entscheidungen stecken. Ist zum Beispiel eine operative Entfernung der Prostata unumgänglich, stehen dem Operateur diverse unterschiedliche Methoden zur Auswahl, wie Dr. Breuer erklärte. Ziel sei es dabei immer, nichts zu zerstören, was für Potenz und Kontinenz des Patienten unverzichtbar ist, aber dennoch den Tumor vollständig zu entfernen. Denn ein erheblicher Teil der Männer bleibt nach einer Prostata-OP ohne Hilfsmittel impotent, insgesamt selten ist das Problem der Inkontinenz. Für ihre Millimeterarbeit steht den Urologen inzwischen sogar eine Methode zur Verfügung, bei der sie einen Roboter am Bildschirm fernsteuern. „Doch große Studien zeigen, dass ein versierter Operateur, der direkt am Patienten arbeitet, gleichwertige Ergebnisse erzielt", begründete der stellvertretende Chefarzt, warum in der Dürener Klinik noch nicht auf die Roboter-Methode gesetzt wird. Wenn die Entscheidung zugunsten einer Bestrahlungstherapie gefallen ist, gibt es ebenfalls eine Reihe von Alternativen. Auch dabei werde an der Roonstraße auf möglichst schonende Verfahren gesetzt, die benachbarte Organe wie den Enddarm und die Blase nicht unnötig schädigen, erklärte Dr. Ursula Schleicher, Strahlentherapeutin im Dürener Krankenhaus.

Im besten Fall führt die Diagnose eines Prostatakarzinoms aber weder zur OP noch zur Bestrahlung. „Richtig behandeln heißt weniger operieren", formulierte Chefarzt Dr. Börgermann einen der Kernsätze der Veranstaltung. Dass diese Maxime wegen des ökonomischen Drucks, eine bestimmte Anzahl von OPs erreichen zu müssen, offenbar nicht überall gilt, deutete der Dürener Chefarzt nicht nur an. Nachdem mit Hanns-Jörg Fiebrandt, dem Vorsitzenden des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe ein Betroffener über seine eigenen positiven Erfahrungen als „aktiv überwachter" Patient gesprochen hatte, begründete Dr. Börgermann, warum die Dürener Klinik auf die DNA-Zytometrie, die im übrigen von der Krankenkasse bezahlt wird, als ergänzende Methode setzt. Sie gebe dem behandelnden Arzt und dem Patienten ein deutliches Mehr an Sicherheit, dass Abwarten tatsächlich die richtige Therapie der Wahl ist.

Das bislang wesentlich angewandte Entscheidungskriterium bei der Frage „Behandlungsbedürftig oder nicht" ist der so genannte Gleason-Score. „Wenn unterschiedliche Pathologen nach diesem Verfahren die Aggressivität eines Tumors bestimmen, erzielen sie nur eine Übereinstimmung von 50 bis 70 Prozent", betonte Prof. Dr. Alfred Böcking, Pathologe am Dürener Krankenhaus und anerkannter Experte für die DNA-Bild-Zytometrie. Dieses Verfahren, für dessen Einsatz in der Diagnose des Prostatakarzinoms Prof. Böcking seit langem kämpft, habe dagegen eine Reproduzierbarkeit von über 90 Prozent und gebe damit wesentlich verlässlicher Auskunft darüber, wie sich der Tumor entwickeln wird. Daher hat dieses Verfahren zwischenzeitlich auch Einzug in die Leitlinien der Fachgesellschaft für Pathologie gehalten.

Natürlich hatten die vielen interessierten Besucher speziell zu diesem Thema, aber auch zu Operationstechniken oder dem oft diskutierten PSA-Wert noch eine ganze Reihe von Fragen. Prof. Bernd Klosterhalfen, Chefarzt der Dürener Pathologie, moderierte eine lebhafte Diskussionsrunde, bevor ein sehr informativer Abend ausklang.

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