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Mohammad Mohammad Foto: KHD

Abschluss seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegeassistenten

„Ohne Sprache kommst du nicht weit“, sagt Mohammad Mohammad. Der 19 Jahre alte Abiturient, der in seiner Heimat Syrien ein Medizinstudium beginnen wollte, hat in kürzester Zeit so viel wie möglich gelernt. Schließlich hat er beruflich noch viel vor. Der Abschluss seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegeassistenten im Krankenhaus Düren ist der erste Schritt, am 1. Oktober beginnt er im Krankenhaus die dreijährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. „Mein Wunsch für die Zukunft ist es, in der Pflege viel Berufserfahrung zu sammeln und später vielleicht noch Pflegemanagement zu studieren“, sagt der Flüchtling und unterstreicht seine Aussage mit einem gewinnbringenden Lächeln.
Es ist noch gar nicht lange her, da sprach Mohammad Mohammad kein Wort Deutsch. „Ich habe mir Bücher gekauft, das Internet genutzt und bei YouTube Filme angeschaut und viel gelernt“, berichtet der junge Mann, der vor anderthalb Jahren mit seinem älteren Bruder aus Syrien nach Deutschland flüchtete.

Der Vater hat vor dem Bürgerkrieg als Ingenieur in einem Kraftwerk gearbeitet, seine Mutter war selbstständig tätig und als Frauenrechtlerin aktiv. „Meine Eltern haben uns zur Flucht aufgefordert. Wir hätten beide zum Militär gemusst“, blickt Mohammad Mohammad zurück. Über den Libanon und die Türkei führte sie ihr Weg nach Deutschland und in die Stadt Düren. So gut wie möglich versuchen die Brüder, mit ihren Eltern über das Internet in Verbindung zu bleiben.

„Ich hatte keine Ahnung, was mich in Düren erwartet. Aber mich hat interessiert, wie die Pflege in Deutschland funktioniert, wie die Arbeit im Krankenhaus aussieht“, schildert der frischgebackene Pflegeassistent. Dass er die Möglichkeit bekommen hat, sein Können unter Beweis zu stellen, sei ein „kleines Wunder“, findet der 19-Jährige. Ein Nachbar hat den Kontakt zum Geschäftsführer des Krankenhauses hergestellt – und Dr. Gereon Blum bot dem jungen Mann zunächst ein Praktikum in der Klinik an.
„Das war eine super Chance“, sagt Mohammad Mohammad. Er hat in den drei Wochen viel gelernt – über Pflege, über Abläufe in einem Krankenhaus, über die unterschiedlichen Berufsbilder. Und er erhielt das Angebot, im Anschluss eine einjährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegeassistenten zu machen. „Die Kollegen haben mir viel beigebracht – und auch bei der Sprache geholfen“, bedankt sich der 19-Jährige für die herzliche Aufnahme im Team. Mohammad: „Das Krankenhaus hat die Tür für mich geöffnet. Davon möchte ich den Kollegen und den Patienten etwas zurückgeben.“ Seine anfängliche Angst, in einem neuen Land mit einer neuen Kultur etwas völlig Neues zu tun, ist schnell verflogen.

„Herr Mohammad hat sich hervorragend eingearbeitet. In der Pflege zählt aber nicht nur das Fachliche, sondern auch Empathie im Umgang mit den Patienten“, bedankt sich Heinz Lönneßen, Leiter des Bildungszentrums, für den Einsatz des jungen Mannes. Die Dienstpläne werden so aufgestellt, dass der 19-Jährige während der nun folgenden, dreijährigen Ausbildung ausreichend Raum für weitere Sprachkurse und Unterstützungsangebote hat. Er spricht ausgesprochen gut Deutsch, doch an der schriftlichen Ausdrucksweise muss er noch etwas feilen, um auch die schriftlichen Prüfungen während der Ausbildung mit Bravour zu meistern. Bereits in der Vergangenheit waren die Kollegen und Ausbilder Ansprechpartner für alle offenen Fragen.

„Auch für uns war es eine spannende Zeit mit Mohammad Mohammad, es war ein Versuch, bei dem wir viel gelernt haben“, zieht Heinz Lönneßen eine erste Bilanz. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir im Krankenhaus Düren auch in Zukunft mit Menschen arbeiten, die ihre Heimat verloren haben und eine neue Perspektive suchen“, fügt er hinzu.