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Ärzte, Pflegepersonal, Rettungsdienstler und Taucher trainierten in Wesel gemeinsam die Wasserrettung. Foto: Regina Jaschke

Anästhesie des Krankenhaus Düren veranstaltet in Wesel einen Workshop zur Wasserrettung.

Immer häufiger kommt es zu Notarzteinsätzen im und am Wasser. Wie die Rettungskräfte effektiv miteinander arbeiten, das lernten die Teilnehmer eines Spezialworkshops zur Wasserrettung in Wesel. Organisiert wurde die Fortbildung von der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Krankenhauses Düren, die sich als Veranstalter von Workshops zur Wasserrettung bereits einen guten Namen gemacht. Über 100 Teilnehmer – Ärzte, Pflegepersonal, Rettungsdienstler und Taucher – hatte der Workshop, der maßgeblich von der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes, der DRK-Landesschule Nordrhein (LANO) und vom DRK-Kreisverband Niederrhein unterstützt wurde.

Mit einem Videointerview über einen gravierenden Tauchunfall an der Aggertalsperre gelang Taucherarzt Dr. Karl-Heinz-Schmitz ein spannender Einstieg ins Thema. Anschließend wurden die Teilnehmer aus ganz NRW selbst aktiv: Angeleitet durch Notärztin Dr. Maren Dieler und Fachpfleger Frank Jäger aus Düren lernten sie zuerst in Theorie und anschließend ganz praktisch, Taucher aus dem Wasser zu retten und sie effektiv aus dem Anzug zu schälen, bevor die medizinische Behandlung einsetzen konnte. Auch die Enge an Bord eines Rettungsbootes wurde den Teilnehmern erst wirklich bewusst, als sie eine Simulationspuppe zwischen Motor und Laderampe beatmen sollten und dafür intubieren mussten. Anschließend ging es auch für die interessierten Taucher mit Daniel Schmidt, Oberarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie im Krankenhaus Düren, an die Wundversorgung einer Schweinerippe, die als Ersatz für den Patienten herhalten musste. Thoraxdrainageschläuche wurden mit chirurgischem Besteck zwischen den Rippen befestigt, am Nebentisch wurden mit Tackern und Nahtmaterial die tiefen Schnitte durch Schwarte und Fettgewebe chirurgisch gekonnt versorgt.

Wie wichtig die Kenntnis über mögliche Rettungskomplikationen bei Tauchunfällen auch für die Notärzte ist, konnte Dr. Stephan Erbrich aus Eschweiler beim nachgestellten Einsatz am Auesee feststellen. „Wir haben den Blausteinsee direkt vor der Haustür und als Notarzt ist es wichtig zu wissen, was einen erwartet, wenn wir alarmiert werden.“ Tatsächlich ist ein Mangel in der Medizinerausbildung ursächlich für das Problem, sagt auch Initiator Prof. Dr. Stefan Schröder, Chefarzt der Anästhesie im Krankenhaus Düren. „Tauchmedizin und Wasserrettung werden während der Facharztausbildung nicht gelehrt., Notfälle am und im Wasser nehmen aber immer mehr zu, bedingt durch fehlende Schwimmausbildung bei Kindern, geschlossene Freizeitbäder und ein starkes Wachstum von sehr risikobereiten Freizeitsportlern. Diese Lücke möchten wir durch die Fortbildungen schließen.“ Das Konzept scheint zu stimmen, denn die Anzahl der Wiederholungstäter unter den Teilnehmern nimmt zu. Wenn langjährige Taucherfahrung auf erprobte Rettungsdienstler und Notärzte trifft, profitieren Teilnehmer und Dozenten gleichermaßen. Alle können auf das Wissen der beteiligten Spezialisten zugreifen und beim nächsten Notfall hängt von diesen Spezialkenntnissen vielleicht sogar das Leben des Patienten ab.