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Vor ein paar Wochen kam Sybille M. noch gut alleine zurecht. Für ihre 86 Jahre war die Witwe erstaunlich gut zu Fuß, wenn es einmal pro Woche zum Einkauf in den nahen Supermarkt ging. Und auch wenn es langsam schwerer fiel, schaffte sie den kleinen Haushalt noch ohne Hilfe. Wer sollte auch helfen? Sybille M. hat keine Kinder und zu den Nachbarn hat sie kaum Kontakt. Aber Sybille M. kam klar – bis sie in der Küche ins Stolpern geriet und stürzte.

„Wenn Patienten wie Sybille M. aus dem Krankenhaus entlassen werden, ist häufig nichts mehr, wie es war“, weiß Peter-Josef Dorn. Dorn gehört zur Pflegedienstleitung im Krankenhaus Düren. Seit einigen Monaten ist ein Schwerpunkt seiner Arbeit die Betreuung von vorwiegend älteren Patientinnen und Patienten, die über die medizinische und pflegerische Betreuung hinaus besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung benötigen. „Die gesellschaftliche Veränderung führt dazu, dass es immer mehr Patienten werden“, sagt Peter-Josef Dorn. „Unsere Patienten werden immer älter. Und oft haben sie keine familiäre Bindung mehr. Für uns steht fest, dass unsere Verantwortung für diese Patientengruppe nicht mit der Entlassung aus dem Krankenhaus enden darf. Deshalb bauen wir Brücken zu den bereits bestehenden Hilfsangeboten in Stadt und Kreis Düren.“

Ganz eng vernetzt sich das Krankenhaus Düren nun mit der gelebten Sorgekultur im Kreis Düren, der Initiative InSorge, die von der Hospizbewegung Düren-Jülich, der Lebens- und Trauerhilfe Düren und der Stiftung Dialog Ethik (Zürich) initiiert wurde. Auf den gemeinsamen Weg machen sich das Krankenhaus und die Initiative, die von allen Städten und Gemeinden des Kreises unterstützt wird, mit einem öffentlichen Forum: Am Mittwoch, 26. September, 14 Uhr, laden sie dazu ins Kongresszentrum des Krankenhauses ein. „In Sorge um den ganzen Menschen“ ist die Veranstaltung überschrieben, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Moderiert wird das Forum von Gerda Graf. Und das aus gutem Grund: Gerda Graf hat die Initiative InSorge aus der Hospizbewegung heraus maßgeblich angeschoben und im Kreis Düren etabliert. „Wir haben uns gefragt, warum wir den Menschen erst am Ende ihres Lebens zur Seite stehen“, erinnert Gerda Graf an die Anfänge der Initiative InSorge, die als Antwort auf diese Frage ins Leben gerufen wurde. Dass die Initiative sich nun noch enger mit dem Krankenhaus Düren vernetzt, ist auch für Gerda Graf ein wichtiger und wertvoller weiterer Schritt. Beim Forum begrüßt sie als erstes Dr. Ruth Baumann-Hölzle. Die Leiterin des „Interdisziplinären Instituts für Ethik im Gesundheitswesen“ der Stiftung Dialog Ethik spricht in einem Impulsreferat über „Ethische Grundhaltung im Krankenhaus“. Danach lädt Gerda Graf die Teilnehmer einer anschließenden Podiumsdiskussion zu kurzen Dialogen ein. Prof. Stefan Schröder, Chefarzt der Anästhesie im Krankenhaus Düren, gibt dabei einen Einblick in ethische Fallbesprechungen und Angehörigengespräche auf der Intensivstation. Über die intensivierte Patienten- und Angehörigenbetreuung spricht Peter-Josef Dorn. Die Pflege- und Sozialberatung des Krankenhauses stellt ihr Engagement für die Zeit nach der Krankenhausentlassung vor. Ulrike Rubin-Anserhof, Fachärztin für Psychiatrie und Gerontopsychiatrie berichtet über die besondere Sorge um den alten Menschen im Krankenhaus und die im Krankenhaus Düren etablierte gerontopsychiatrische Mitbetreuung von Patienten mit kognitiven Einschränkungen. Pfarrer Günter Gerkowski stellt die seelsorgerische Begleitung im Krankenhaus vor.

Im Anschluss haben die Besucher Gelegenheit mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt zum Forum ist frei.