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In Corona-Zeiten auf Abstand: der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Düren, Priv.-Doz. Dr. Christof Börgermann, und sein Stellvertreter, Dr. Serhat Aymaz. Foto: Christoph Lammertz

Als die Corona-Pandemie Deutschland erreichte, begann für unsere Gesellschaft eine der größten Herausforderungen, die das Land je erlebt hat. Ganz besonders gilt das für unser Gesundheitssystem. Mitte März beschlossen Bund und Länder, dass sich die Krankenhäuser auf die Behandlung der zu erwartenden hohen Zahl von Corona-Patienten konzentrieren sollten. Intensivkapazitäten sollten ausgebaut werden, alle planbaren Operationen und Eingriffe auf unbestimmte Zeit verschoben werden, soweit es medizinisch vertretbar ist.
Wie ist fünf Wochen später die Lage im größten Krankenhaus des Kreises Düren? Wir haben darüber mit der Ärztlichen Direktion – Priv.-Doz. Dr. Christof Börgermann, Chefarzt der Urologie, und Dr. Serhat Aymaz, Chefarzt der Gastroenterologie – gesprochen.

Was hat sich seit Beginn der Corona-Krise im Krankenhaus Düren geändert?
Dr. Börgermann: Wir haben im Krankenhaus Düren sehr rasch die Strukturen an die neue Situation angepasst. Entsprechend den Vorgaben haben wir planbare Behandlungen verschoben, wofür die betroffenen Patienten glücklicherweise großes Verständnis hatten. Wir haben einen neuen Notaufnahmebereich für Corona-Patienten oder Verdachtsfälle eingerichtet, unsere Stationstrukturen geändert und so Isolationsbereiche für Covid-19-Patienten geschaffen. Wir haben zusätzliche Beatmungsgeräte angeschafft und die Möglichkeiten zur Intensivbehandlung verdoppelt. Im Notfall könnten bei uns bis zu 40 Patienten intensivmedizinisch behandelt und beatmet werden.
Dr. Aymaz: Das geht natürlich nur, wenn auch das dafür notwendige ärztliche und pflegerische Personal zur Verfügung steht. Deshalb haben wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Abteilungen umfassend in der intensivmedizinischen Behandlung geschult. Viele haben sich dafür sofort freiwillig gemeldet. Überhaupt erleben wir gerade mit großer Freude, wie unglaublich engagiert und flexibel unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind.
Dr. Börgermann: Dank der engagierten Arbeit des hiesigen Gesundheitsamtes, der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie der großen Disziplin in der Bevölkerung sind die Fallzahlen der Corona-Infektionen bisher deutlich unter den Prognosen geblieben. Wir behandeln seit Ausbruch der Pandemie täglich zwischen sieben und zehn Corona-Patienten in unserem Krankenhaus, von denen maximal die Hälfte intensivmedizinsche Hilfe braucht. Viele Patienten konnten wir bereits geheilt entlassen.

Was ist mit den anderen Patienten?
Dr. Aymaz: Unsere Aufgabe als Krankenhaus ist es natürlich auch weiterhin, alle Patienten im Blick zu haben. Die Erfahrungen der vergangenen fünf Wochen haben gezeigt, dass die zeitgleiche Behandlung der Corona-Patienten und der anderen Patienten, deren OPs oder Behandlungen nicht aufgeschoben werden konnten, sehr gut funktioniert. Auch wenn es mit einem hohen Aufwand verbunden ist.

Man liest allerdings davon, dass derzeit sogar Menschen mit typischen Herzinfarktsymptomen zunächst einmal abwarten, bevor sie ins Krankenhaus gehen.
Dr. Aymaz: Das ist auch unsere Sorge. Auch wir haben das in den vergangenen Wochen beobachtet. Vereinzelt kommen Patienten erst in einem deutlich schlechteren Zustand zu uns, als es sonst der Fall war. Und das quer durch alle Fachabteilungen. Wir möchten den Menschen im Kreis Düren deshalb die Angst davor nehmen, bei uns Hilfe zu suchen. Durch die oben erwähnten stationären Strukturen und durch weitere Schutzmaßnahmen im Bereich der Fachambulanzen sind wir in der Lage, unsere Patienten – egal ob stationär oder ambulant – sicher zu behandeln. Stand jetzt hat sich in unserem Krankenhaus noch kein Patient mit dem Coronavirus angesteckt. Bei akuten Erkrankungen können und sollten sich die Patienten also direkt oder nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt jederzeit an uns wenden. Auf unserer Homepage finden sie die Telefonnummern aller Fachabteilungen. Oder sie wählen unsere zentrale Nummer (02421/300) und werden verbunden.

Wie wird es aus Ihrer Sicht mit der Corona-Pandemie und der Situation in den Krankenhäusern weitergehen?
Dr. Börgermann: Wir haben uns auf eine längerfristige Parallelversorgung der Patienten mit und ohne Corona-Infektion eingestellt, wie wir das bei vielen anderen Infektionen bisher auch gemacht haben. Wir werden mit dieser Situation bis zu einer gewissen Immunität in der Bevölkerung leben und arbeiten müssen und fühlen uns darauf sehr gut vorbereitet. Wir hoffen natürlich, dass sich die Infektionszahlen weiter so entwickeln wie zuletzt. Das würde bedeuten, dass die Situation in unseren Krankenhäusern weiterhin weit entfernt von den Katastrophenbildern ist, die wir aus Italien, Spanien oder den USA kennen. Aktuell sind laut Robert-Koch-Institut nur knapp 2800 Patienten mit Corona-Infektion intensivmedizinisch behandelt. Zur Verfügung stehen laut RKI in Deutschland fast 28.000 Intensivbetten, wovon fast die Hälfte derzeit nicht belegt ist. Vor diesem Hintergrund müssen wir in den Krankenhäusern eine Normalität in Coronazeiten finden, die es uns ermöglicht, auch die Menschen zu versorgen, die in der Krise bisher zurückstehen mussten.