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Oliver Zorn stellte den interessierten Zuhörern einen Defibrillator vor. Foto: Christoph Lammertz

Krankenhaus Düren und AOK informieren über Wiederbelebung.

Düren. Die Botschaft ist einfach und einprägsam: Der einzig mögliche Fehler ist nichts zu machen. Und so verließen die rund 100 Besucher eine kurzweilige und informative Vortragsveranstaltung von Krankenhaus Düren und AOK zum Thema Wiederbelebung mit dem guten Gefühl, im Notfall künftig nichts falsch, aber dafür umso mehr richtig machen zu können.

Präsentierten ihre Themen kurzweilig (v.l.): Dr. Hermann Roth, Oliver Zorn, Dr. Sebastian Dunger und Dr. Ingo Zillessen.Im Foyer des Dürener Krankenhauses stellte Dr. Kirsten Oelbracht, Leiterin der Zentralen Notaufnahme in der Klinik an der Roonstraße, nach der Begrüßung von Barbara Feykens (AOK) zunächst die international anerkannten Leitlinien zur Reanimation vor. Alle fünf Jahre, berichtete Dr. Oelbracht, werden diese Leitlinien geprüft und auf der Basis neuer Erkenntnisse aktualisiert. So habe sich die Anzahl der empfohlenen Thorax-Kompressionen (Herzdruckmassage) nach zwei Beatmungen inzwischen auf 30 erhöht. In der Mitte des unteren Brustbeinbereichs sollte die Druckmassage angesetzt werden, erklärte die Notfallmedizinerin.

Fünf bis sechs Zentimeter tief sollten die Rippen aufs Herz gedrückt werden. „Natürlich kann dabei etwas kaputt gehen. Aber ich lebe lieber mit zwei gebrochenen Rippen weiter, als mit heilen Rippen tot zu sein", stellte Oliver Zorn klar, dass Zurückhaltung bei der Herzdruckmassage kein guter Ratgeber ist. Der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Düren und Leitende Oberarzt der Notaufnahme am Krankenhaus stellte die Abfolge bei der Wiederbelebung vor: Bewusstsein prüfen, Notruf an die 112 absetzen, die Atemwege freimachen (den Kopf dabei überstrecken), die Atmung prüfen, zwei Beatmungen, 30 Herzdruckmassagen. Dabei sei es wichtig, dass der Patient auf eine harte Unterlage gelegt werde. „Den Fußboden haben Sie als harte Unterlage immer zur Verfügung", sagte Zorn und betonte, dass eine Herzdruckmassage beispielsweise im Wasserbett wenig Aussicht auf Erfolg hat. Der Mediziner stellte heraus, wie wichtig der Faktor Zeit bei der Reanimation ist. „Nach 15 Sekunden ohne Sauerstoff wird der Mensch bewusstlos, nach fünf Minuten tritt der Gehirntod ein. So schnell kann der Rettungsdienst in der Regel nicht vor Ort sein", sagte Zorn, stellte aber zugleich heraus, dass die Rettungskräfte den Ersthelfern natürlich über Telefon zur Seite stehen und Anleitung für die Wiederbelebung geben.

Und was geschieht mit dem wiederbelebten Patienten, wenn er von den Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht worden ist? Mit Dr. Hermann Roth, Chefarzt der Inneren Medizin I im Krankenhaus Düren, Dr. Ingo Zillessen, Leitender Oberarzt der Inneren Medizin I, und Dr. Sebastian Dunger, Assistenzarzt der Anästhesie und Intensivmedizin im Dürener Krankenhaus, gaben drei Experten Antworten auf diese Frage. Dr. Roth stellte die strukturellen Herzerkrankungen vor, die als Ursachen für den Herzstillstand oder das Kammerflimmern in Frage kommen. Er informierte über Katheteruntersuchungen und Stentimplantationen, während Dr. Zillessen speziell auf die Herzrhythmusstörungen einging. Dabei unterscheiden die Mediziner zwischen Rhythmusstörungen, bei denen das Herz zu langsam schlägt, und solchen, bei denen der Herzmuskel bis zu 300 Mal in der Minute zuckt. Ein Schrittmacher hilft im ersten Fall, die Implantation eines Defibrillators, der mit Elektroschocks das Herz im Notfall wieder in den Rhythmus bringt, im zweiten Fall.

Referierte und moderierte die gut besuchte Veranstaltung von AOK und Krankenhaus Düren: Dr. Kirsten Oelbracht.Bevor die Besucher ihre Fragen an die Referenten richteten und viele ausführliche und leicht verständliche Antworten erhielten, erklärte Dr. Sebastian Dunger die umfangreichen intensivmedizinischen Maßnahmen, die bei einem reanimierten Patienten im Krankenhaus ergriffen werden. „Für die Angehörigen wirken die vielen Zugänge und Verkabelungen sicher abschreckend, doch es ist alles zum Wohl des Patienten", betonte Dr. Dunger. Zum Abschluss seines Vortrags appellierte er an die Besucher, keine Scheu vor der Nutzung von Defibrillatoren zu haben, deren Funktionsweise Oliver Zorn zuvor vorgestellt hatte. „Das Wort ist schwerer auszusprechen als das Gerät zu nutzen ist", sagte Dr. Dunger und schloss für die Besucher den Kreis: Bei der Wiederbelebung kann man nichts falsch, aber dafür umso mehr richtig machen.

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