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Eine kölsche Fete zum Abschied: Wolfgang Barényi tritt nach fast 40 Jahren im Dürener Krankenhaus in den Ruhestand. Foto: Christoph Lammertz

Nach 40 Jahren im Krankenhaus tritt Wolfgang Barényi in den Ruhestand

Düren. „Heute hat er durchgehend Untersuchungen, morgen auch, vielleicht hat er übermorgen mal ein paar Minütchen Luft." Sekretärin Mirjam Schröder musste schmunzeln. Es war nicht einfach, in den vergangenen Tagen einen Termin zu finden, um mit Wolfgang Barényi über seinen Abschied aus dem Krankenhaus Düren zu sprechen, an dessen Erfolg er fast vier Jahrzehnte lang maßgeblich beteiligt war. Wer gedacht hatte, dass es der Chefarzt an seinen letzten Tagen in der Klinik ruhig angehen lassen würde, der lag völlig falsch. Der 67-Jährige ist einfach Arzt durch und durch. Ein Arzt, der seine Patienten nicht nur mit großer Fachkenntnis, sondern immer auch mit viel persönlicher Zuwendung behandelt hat. Kein Wunder, dass viele von ihnen während der vergangenen Tage gerne zumindest noch einmal zu Wolfgang Barényi wollten und ihm so vor dem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand sehr arbeitsreiche Tage bescherten.

Die alte Eingangstür seiner Abteilung wird künftig in seinem heimischen Partykeller hängen, seine Abteilung überreichte dem scheidenden Chefarzt eine Collage.Da passt es, dass sich der scheidende Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Diabetologie nun selber erst einmal drei Monate ganz ohne Medizin verordnet hat. „Ich bin mir sicher, dass ich damit gut leben kann", sagt Wolfgang Barényi, auch wenn einige seiner Freunde vom Gegenteil überzeugt seien. Er freue sich über die Zeit, die er nun viel intensiver mit seiner Familie verbringen kann. Mit seiner Frau Renate, die er vor 38 Jahren im Krankenhaus Düren kennengelernt hat, den beiden Söhnen, Schwiegertöchtern und den beiden zwei- und zweieinhalbjährigen Enkelkindern. Dass seine Familie ihn trotz der großen Belastung durch seinen Beruf immer unterstützt habe, sei einer seiner größten Erfolge, betont er.

Am 1. November 1972 hat Wolfgang Barényi eine Assistentenstelle am Dürener Krankenhaus angetreten. In Aachen, wo er sein Examen abgelegt hat, lernte Barényi Professor Heinz Grunze kennen, der in Düren Chefarzt war und dem jungen Mediziner dort seine erste Stelle anbot. Dass Barényi in der Inneren Medizin landete, war eigentlich gar nicht geplant. Schon in ganz jungen Jahren wuchs in ihm der Wunsch, Kinderarzt zu werden. „Wahrscheinlich, weil ich als Junge viel krank und häufig im Krankenhaus war", erinnert sich der 67-Jährige. Später sei der Wunsch hinzugekommen, handwerklich zu arbeiten.

„Die Innere Medizin war deshalb eigentlich nicht das Richtige, weil man in diesem Gebiet früher nur über Krankheiten nachgedacht hat", sagt Barényi. Die Gastroenterologie, die sich mit Diagnostik, Therapie und Prävention von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, von Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse beschäftigt, sei schließlich für ihn die ideale Kombination gewesen. „Die endoskopischen Untersuchungen werden natürlich mit den Händen gemacht", freut er sich über die „handwerklichen Herausforderungen" seines Berufs. Und da er schließlich auch Kinder mit speziellen Krankheitsbildern betreute, habe sich auch sein frühester Berufswunsch in gewisser Weise noch erfüllt.

Jetzt freut sich Wolfgang Barényi auf mehr Zeit mit seiner Frau Renate und der Familie.Wichtig sei ihm in all den Jahren immer gewesen, die Patienten wirklich zu begleiten, sagt Barényi, „auch wenn sie schwerst- oder chronisch krank sind. In allen Lebenskrisen. Das dürfen die Menschen auch erwarten." Dass sie auf Wolfgang Barényi noch zwei Jahre nach dessen Eintritt ins Rentenalter zählen durften, erklärt der scheidende Chefarzt so: „Ich hatte mit 65 Jahren meine Mission noch nicht erfüllt. Jetzt haben wir ein zertifiziertes Darmzentrum, unsere Klinik steht auf sehr soliden Füßen. Hier wird Medizin auf hohem Niveau gemacht. So kann ich jetzt sagen, dass meine Mission erfüllt ist."

Mit einer sehr ungezwungenen kölschen Fete – für die guten Töne sorgten die „Echten Fründe" – verabschiedete sich Wolfgang Barényi am vergangenen Freitag von seinen Wegbegleitern im Krankenhaus. Reden und Geschenke, das hatte er in seiner Einladung betont, sollte es eigentlich nicht geben, stattdessen Spenden für die „Klinik Pänz" und die „Kranke Dötz".

Und doch ließ es sich Geschäftsführer Dr. Gereon Blum nicht nehmen, ganz kurz zum Mikrofon zu greifen, um sich bei Wolfgang Barényi für all das zu bedanken, was er für das Dürener Krankenhaus in vier Jahrzehnten geleistet hat. „Unter einer Minute ist es keine Rede", rechtfertigte sich Dr. Blum. „Und das ist kein Geschenk, sondern etwas zum Mitnehmen", überreichte der dem scheidenden Chefarzt die Eingangstür zur alten Endoskopie und Gastroenterologie, die so neu gestaltet worden war, dass sie „zufällig" genau in den Türrahmen von Barényis heimischem Partykeller passt.

Ab heute wird das Leben des Wolfgang Barényi ein anderes sein. Reisen, Konzerte und Ausstellungen besuchen und auch wieder Tennis spielen möchte der Jung-Pensionär. In der Ü-60-Mannschaft in Obermaubach ist er schon wieder gemeldet. Bleibt nur, ihm viele Asse, vor allem aber Glück und Gesundheit für den neuen Lebensabschnitt zu wünschen.

Dr. Serhat Aymaz tritt die Nachfolge an

Die Nachfolge von Wolfgang Barényi als Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Diabetologie tritt am 14. Mai Dr. Serhat Aymaz an. Der 43-jährige Internist und Gastroenterologe kommt von der Klinik Köln-Holweide, wo er derzeit noch Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik ist.