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Unkontrollierter und übermäßiger Einsatz von Antibiotika hat dazu geführt, dass Bakterien zunehmend resistent gegen Antibiotika werden. Gegen manchen Krankheitserreger hat die Medizin deshalb nur noch wenige oder im schlimmsten Fall gar keine Mittel mehr. Die Weltgesundheitsorganisation betrachtet die zunehmende Resistenzentwicklung als eine Bedrohung für die Menschheit. Um dieser Bedrohung entgegenzuwirken, verpflichtet das Infektionsschutzgesetz Krankenhäuser zu einer „rationalen Antibiotikaverordnung“. Der Fachbegriff dafür ist Antibiotic Stewardship (ABS). Um die Frage, wie und warum das ABS in der Intensivmedizin zu fördern ist, ging es jetzt beim 5. Dürener Workshop Infektiologie des Krankenhauses Düren, der wieder vom dortigen Zentrum für Infektiologie und Krankenhaushygiene (ZIK) und der Anästhesieabteilung veranstaltetet wurde. 

Dazu begrüßten Anästhesie-Chefarzt Prof. Dr. Stefan Schröder und ZIK-Leiter Dr. Bernhard Heising interessierte Kollegen aus ganz NRW zunächst zu einem zweistündigen interaktiven Kleingruppen-Workshop am Krankenbett auf der operativen Station der interdisziplinären Intensivmedizin. Anschließend stellten im Kongresszentrum Referenten aktuelle Themen zum Antibiotic Stewardship vor. 

Dr. Bernhard Heising zeichnete ein dramatisches Bild der medizinischen und ökonomischen Auswirkungen der weltweit zunehmenden Resistenz von Krankheitserregern. Gleichzeitig stellte er vielversprechende Studien und daraus abgeleitete Konzepte vor, die zu einem rationaleren und sparsameren Umgang mit Antibiotika ermutigen. Marie-Kathrin Klein, Medizinstudentin und Doktorandin bei Prof. Schröder, präsentierte Ergebnisse ihrer Auswertungen über die Antibiotika-Anwendungsraten auf der operativem Intensivstation des Krankenhauses Düren über 10 Jahre - also vor, während und nach ABS-Interventionen. Sie konnte dabei eine beeindruckende Entwicklung hin zu einer rationalen und leitliniengerechten Therapie dokumentieren. 

Dr. Marzia Bonsignore, Infektiologin und Krankenhaushygienikerin aus Gelsenkirchen, präsentierte praxisnah, wie in einem mittelgroßen Krankenhaus durch ein Bündel von ABS-Maßnahmen die Antibiotikaanwendung innerhalb von zwei Jahren deutlich zurückging und gleichzeitig Infektionen und insbesondere Blutvergiftungen mit resistenten Keimen abnahmen. Prof. Dr. Sebastian Lemmen, Krankenhaushygieniker und Infektiologe am Uniklinikum Aachen, gab als letzter Referent einen Überblick über aktuelle Studien und Entwicklungen zur rationalen Antibiotikatherapie in der Intensivmedizin. Er machte klar, dass gerade auch die besonders schwer erkrankten Patienten auf Intensivstationen von einem ABS-geleiteten, eher restriktiven Antibiotikaeinsatz profitieren und somit schneller gesund werden.