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Sarah Göbel und Anja Sommer im Simulations-OP. Foto: Krankenhaus Düren

Die tägliche Arbeit in der Anästhesiologie findet in einem komplexen Arbeitsumfeld statt, in dem das zielgerichtete effektive Arbeiten in einem interdisziplinären und multiprofessionellen Team von entscheidender Bedeutung ist. Dabei werden teils kritisch kranke Patienten unter Zeitdruck behandelt. Das Fach der Anästhesiologie hat glücklicherweise in den letzten Jahrzehnten wesentliche Fortschritte in der Patientensicherheit erreicht. Dies ist vermutlich auf modernere Arbeitsplätze, verbesserte Technologien und ein größeres Verständnis physiologischer Zusammenhänge sowie den gezielteren Einsatz von Medikamenten zurückzuführen.

Dennoch haben Fehler und Zwischenfälle in diesem Hochrisikobereich einen wesentlichen Stellenwert. Bisher liegen jedoch nur wenige Publikationen vor, die explizit die Inzidenz und die Folgen dieser Zwischenfälle thematisieren. Insbesondere die Frage der Vermeidbarkeit wurde bisher viel zu selten gestellt. Die Sicherstellung eines hohen Maßes an Patientensicherheit erfordert folglich ein effektives klinisches Risikomanagement und eine Sicherheitskultur, in der Fehler regelhaft angesprochen werden und systematisch nach Ursachen gesucht wird. Simulationstraining nimmt dabei eine besondere Rolle ein.
Prof. Stefan Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, verfolgt diese Problematik schon lange. Er führt seit Jahren regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen in unterschiedlichen Kliniken und Rettungsdiensten durch und hat den Aufbau des Simulationszentrums im Krankenhaus Düren initiiert. In einem eigens dafür eingerichteten Operationssaal im Untergeschoss des Krankenhauses kann seitdem die Versorgung von Zwischenfällen durch Simulation trainiert werden. Eine dieser Veranstaltungen fand am vergangenen Samstag statt und war gleichermaßen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Krankenhaus Düren wie auch für externe Kolleginnen und Kollegen ausgerichtet. Prof. Stefan Schröder betont dabei: „Diese Simulationstrainings liefern einen wertvollen Beitrag für die Umsetzung unseres medizinisch-fachlichen Wissens unter teils ungünstigen Bedingungen in der täglichen Praxis. Durch gezieltes Training gängiger Komplikationen können wir diese - wenn sie auftreten - deutlich effizienter beherrschen. Dabei helfen uns besonders die nicht-technischen Fähigkeiten wie Situationswahrnehmung, Teamwork, Entscheidungsfindung und Aufgabenmanagement, die alle eine sichere Kommunikation voraussetzen. Insbesondere diese Fähigkeiten lassen sich durch Simulationstraining adressieren.
Wir sprechen hier von der womöglich nachhaltigsten Art der modernen Erwachsenenbildung.“ Dass Stefan Schröder bei diesem Training auch selbst teilnimmt und mit in den Simulator geht, ist für ihn selbstverständlich. „Keiner von uns ist frei von Fehlern. Auch ich lerne jedes Mal wieder aus den Erfahrungen in der Simulation und kann aus den Nachbesprechungen wertvolle Hinweise für die tägliche Arbeit mit meinem Team und für die Gestaltung der Prozesse innerhalb unserer Abteilung ziehen.“ Die Ausarbeitung der Szenarien und die Steuerung des Simulators übernahmen bei dieser Veranstaltung Dr. Tillmann Speer, Assistenzarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie am Uniklinikum in Marburg und Dr. Ulrike Glöckner, Fachärztin für Anästhesiologie an der Uniklinik in Köln. Die erfahrenen Instruktoren wählten dabei realitätsnahe Situationen der täglichen Praxis aus, wie z. B. die Aspiration von Mageninhalt, eine allergische Reaktion, Herzrhythmusstörungen, akute intraoperative Blutungen oder Komplikationen einer Spinalanästhesie. In den jeweiligen Nachbesprechungen findet durch das Reflektieren der Erlebnisse dann das eigentliche Lernen statt. Dr. Tillmann Speer zieht nach der Veranstaltung ein positives Fazit: „Wir haben bei diesem Lehrgang sehr intensiv mit den Teilnehmenden gearbeitet. Die kleine Gruppengröße war dafür
optimal. So konnten wir - auch mit Hilfe von Videodebriefing - gezielt die Patientenversorgung unter diesen stressigen Bedingungen analysieren und mit den Teilnehmenden zusammen Wege hin zu einer Optimierung der Versorgungsstrategie und insgesamt hin zu einer Stärkung der Patientensicherheit in kritischen Situationen entwickeln.“
Auch Dr. Sarah Göbel, Assistenzärztin in der Klinik für Anästhesiologie am Krankenhaus in Düren, zeigte sich hochzufrieden nach dem Lehrgang: „Es ist immer wieder erstaunlich, welch unterschiedliche mentale Modelle in Notfallsituationen vorliegen. Die Fortbildung hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig das Training der Kommunikation unter stressigen Bedingungen ist, um solche Situationen gemeinsam im Team kontrollieren zu können.“ Als Assistentensprecherin setzt sie sich dafür ein, zukünftig regelmäßig Veranstaltungen dieser Art durchführen zu können: „Es ist längst überfällig, dass wir feste Vorgaben für die regelmäßige Durchführung und die Finanzierung von Simulationstrainings im Weiterbildungscurriculum hin zum Facharzt durchsetzen wie das in anderen Bereichen, wie z. B. der Luftfahrt, bereits seit Jahren bzw. Jahrzehnten der Fall ist. Solange es die noch nicht gibt, werden wir in Düren nach Möglichkeiten suchen, diese selbstständig durchzuführen.“ Die Aus- und Fortbildungsveranstaltungen im Simulationszentrum in Düren für das kommende Jahr 2019 werden zeitnah veröffentlicht. Weitere Informationen erhalten Sie unter:

Désirée Willms
Sekretariat Prof. Dr. med. Stefan Schröder
Roonstraße 30
52351 Düren
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Telefon: (02421) 30-1369
Fax: (02421) 30-191369
Internet: http://www.krankenhaus-dueren.de