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85 Pflegekräfte, Ärzte und Rettungsdienstmitarbeiter gingen auf dem Ijsselmeer an Bord, um mit den Experten des Krankenhauses Düren die Wasserrettung zu trainieren.

Auf dem Ijsselmeer trainieren Ärzte, Pflegekräfte und Rettungsdienstmitarbeiter die Wasserrettung.

Wenn Notärzte und Rettungsdienstmitarbeiter zu Unfällen am und im Wasser gerufen werden, geraten sie oft buchstäblich ins Schwimmen, denn maritime Notfallmedizin ist noch immer ein Stiefkind in der Rettungsdienstausbildung. Das Krankenhaus Düren setzte jetzt 85 Pflegekräfte, Ärzte und Rettungsdienstmitarbeiter auf dem Ijsselmeer realen Wasserrettungsbedingungen aus, um Fachwissen, Praxis und Teamarbeit zu fördern.

In der Messe des Segelschiffs „Mare fan Fryslan“ stand „Kleine Chirurgie an Bord“ auf dem Kursplan. Unfallchirurg Daniel Schmidt zeigte, wie man mit Alltagsmaterialien kleinere Brüche auch unkonventionell mit Panzerband, Karton und Geschirrtüchern versorgen und Verbände anlegen kann. Auf dem improvisierten OP-Tisch kam anschließend eine Schweineschulter zum Einsatz, mit der die Teilnehmer übten, Thoraxdrainagen bei Brustkorbverletzungen anzulegen. Nebenan zeigte Anästhesistin Kathrin Bolz an Plastikknochenmodellen, wie Medikamente oder Flüssigkeiten statt in die Vene auch direkt in den Knochen injiziert werden können. Auf dem Oberdeck ging es bei 4 Windstärken stürmischer zu: Unter Anleitung von Lehrrettungsassistent Oliver Greven vom DRK-Rettungsdienst Aachen wurden „Verletzte“ auch unter engsten Platzverhältnissen im Vorschiff optimal versorgt. Vor dem Steuerstand von Kapitän Joris de Witt bemühten sich zwei Notärzte um eine nicht ansprechbare Taucherin, während Heiner Kolf von der Wasserwacht des DRK erläuterte, was bei Unfallopfern dieser Sportart zu beachten ist. Weiter ging es für die Teilnehmer am Schiffs-Whirlpool, wo Dr. Detlef Struck, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Kreises Düren, an einem schwimmenden Dummy den Einsatz des Herz-Lungen-Wiederbelebungsgerätes „Lukas“ erklärte, während sein Notarztkollege Dr. Sigurd Kuhlen vorführte, wie man auch unter erschwerten Bedingungen die Atmung von Verletzten sicherstellen kann.

„Intensiver und praxisorientierter geht es kaum“, sprach der langjährige Leitende Notarzt Detlef Pechmann aus Geldern wohl den anderen Kursteilnehmern aus der Seele. Auch Organisator Prof. Dr. Stefan Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Krankenhauses Düren, war zufrieden: „Maritime Unfälle nehmen zu, denn immer mehr Menschen üben Wassersport aus und geraten dabei in Gefahr. Je besser wir alle Beteiligten im Wasserrettungsdienst fortbilden, desto qualitativ höher ist auch die Versorgung, die den Patienten bei Unfällen am und im Wasser zugute kommt.“

Da ein Tag auf dem Wasser natürlich auch hungrig macht, sorgte Krankenhaus-Chefkoch Michael Abraham für die nötige Standfestigkeit der Landratten. Unter Anleitung von Matrose Justus mussten schließlich alle Hände tatkräftig zupacken, um die 550 Quadratmeter Segelfläche des alten Schoners nach dem Wind ausrichten. So sind die Teilnehmer gleich in mehrfacher Hinsicht für den nächsten Einsatz als Notarzt, Pflegekraft und Rettungsassistent seetüchtig geworden.

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