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Prof. Stefan Schröder führt in die Benutzung des Simulators ein Foro: Krankenhaus Düren

Anästhesie-Simulation - ein fester Bestandteil zur Erhöhung der Patientensicherheit

Am vergangenen Wochenende stand das Simulationszentrum des Krankenhauses Düren erneut im Fokus der Patientensicherheit. Zehn Ärztinnen und Ärzte nahmen an einem eineinhalbtägigen Lehrgang zum Umgang mit Narkosezwischenfällen unter Leitung von Prof. Stefan Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, teil.

Die Arbeit in der Anästhesie ist geprägt von einer komplexen Arbeitsumgebung. Dies spiegelt sich sowohl in der perioperativen Betreuung als auch in der Versorgung von Intensiv- und Notfallpatienten wider. Häufig handelt es sich dabei um kritisch kranke Patienten, die in der Anästhesie unter Verwendung einer Vielzahl moderner technischer Geräten behandelt und bei teils schwierigen Interventionen betreut werden. Fehler, die in diesem Bereich auftreten, haben unmittelbare Konsequenzen und können zu Gefährdungssituationen („kritische Ereignisse“) führen, die – je nach Ausmaß – eine Patientenschädigung nach sich ziehen können.

Die Häufigkeit von Zwischenfällen in der Anästhesie ist in den letzten Jahrzehnten insgesamt gesunken. Gründe dafür sind die Einführung moderner Anästhesiearbeitsplätze mit verbesserter Überwachungstechnologie, besser steuerbare Medikamente, ein größeres Verständnis physiologischer Zusammenhänge und nicht zuletzt auch eine strukturiertere Aus- und Weiterbildung. Dennoch gehen aktuelle Untersuchungen davon aus, dass es bei etwa jedem zehnten Patienten im Rahmen seines Krankenhausaufenthalts zu einem Zwischenfall kommt, der in vielen Fällen vermeidbar wäre. Aus der Analyse von Fehlern und kritischen Zwischenfällen ist ersichtlich, dass deutlich mehr als die Hälfte auf sogenannte menschliche Faktoren zurückzuführen sind. Dieses sind Faktoren, die die Sicherheit und Leistungsfähigkeit von Menschen vor allem in komplexen Situationen oder Systemen bestimmen, wie beispielsweise Müdigkeit, Krankheit und Lärm, aber auch Situationsbewusstsein, Teamwork, Entscheidungsfindung und Aufgabenmanagement. Genau diese menschlichen Faktoren und das Zusammenspiel aus Mensch und Technik können im Simulationstraining verbessert werden. Aus diesen Gründen nimmt das Simulationstraining einen besonderen Stellenwert in der Aus- und Fortbildung ein. Mittlerweile ist es auch ein fester Bestandteil des klinischen Risikomanagements und soll dazu beitragen, Komplikationen zu vermeiden bzw. diese, wenn sie auftreten, effektiver zu beherrschen.

Genau dieses Ziel stand auch am vergangenen Wochenende im Krankenhaus Düren im Vordergrund. Nach einer theoretischen Einführung am Freitagabend durch Tillmann Speer, Arzt und Instruktor für Simulationstraining, begann der Samstagmorgen mit einer Einführung in die Bedienung des Simulators durch Stefan Schröder. In der Folge erlebten die Teilnehmenden mehrere Szenarien in realitätsnaher Umgebung (Bild 2). simulation02

In den Räumlichkeiten eines ehemaligen Operationssaals und jetzigen Simulationszentrums im Untergeschoss fanden die Ärztinnen und Ärzte einen modernen Patientensimulator umgeben von einem kompletten Anästhesiearbeitsplatz nebst Pflegekräften vor. Die Szenarien wurden vom Instruktorenteam erstellt und beinhalteten komplexe Situationen der Anästhesieführung. Diese betrafen z. B. die Atemwege bzw. die Atmung oder das Herz-Kreislauf-System. Auch allgemeine Reaktionen wie eine Anaphylaxie (allergische Reaktion des Immunsystems) wurden thematisiert.

Zur Zielsetzung des Simulationstrainings im Dürener Krankenhaus betont Tillmann Speer: „Unser Ansatz mit dem Simulationstraining besteht hauptsächlich darin, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, zu verstehen, wie Fehler und Zwischenfälle entstehen. Oft sind dafür nämlich die gleichen menschlichen Faktoren verantwortlich.

Das Simulationszentrum der Klinik für Anästhesie bietet im Jahr mehrere Simulationstrainings mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. Neben Narkosezwischenfällen sind die Erstversorgung und Reanimation Neugeborener, die Analgosedierung in der Endoskopie, die Übernahme von Intensivpatienten sowie das Notfallmanagement in Arztpraxen und im Rettungsdienst weitere regelmäßige Themen. Bei diesen Veranstaltungen steht der interdisziplinäre Ansatz im Vordergrund. Teilnehmen können sowohl Einzelpersonen wie auch bereits bestehende (feste) Teams. Die Veranstaltungen können auf Anfrage auch als In-House Seminar durchgeführt werden.