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Praxisübung zur Rettung eines verunglückten Tauchers in das Schlauchboot der Feuerwehr Köln

Kooperation für Taucherarzt-Fortbildung zwischen HBO-Zentrum Euregio Aachen und Klinik für Anästhesie der Krankenhaus Düren gem. GmbH

Noch fünf Meter, drei, einen und es ruckt an der Leine vom Leinenführer der Feuerwehr. Luftblasen steigen auf und langsam beginnt das Team im Schlauchboot den verunfallten Taucher zur Bordkante zu ziehen. Der Leiter der Berufstaucher der Feuerwehr Köln, Wolfgang Schulze, hat nach dem Scheibenwischerprinzip einen möglichen Unfallort am Fühlinger See abgetaucht, den Taucher gesichert und die Rettung aus dem Wasser einleiten können. „Das ist ganz schön heikel, sich bei Wellengang aufzustellen und entgegen allen Sicherheitsprinzipien über Bord zu beugen, um den Patienten an Bord zu holen“, gibt die junge Notärztin Caroline Pasedach zu. Alle Teilnehmer der Fortbildung zur Tauchmedizin sind Schwimmer oder Taucher, aber von einem Boot aus hat noch keiner von ihnen gearbeitet.

Der lebensbedrohliche Tauchzwischenfall am Fühlinger See wird nur simuliert aber es soll alles schnell und gut klappen wie bei einem echten Notfalleinsatz. Mit vereinten Kräften heben Notarzt und Retter das scheinbare Unfallopfer an Bord und beginnen mit den Rettungsmaßnahmen. Insgesamt vier Mal wechseln sich die beiden Rettungstaucher in der Rolle als verunfallte Taucher ab, damit alle Teilnehmer der Fortbildung des HBO Zentrums Euregio Aachen in Kooperation mit der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Krankenhauses Düren aktiv werden können. Die Teilnehmer durchlaufen in Kleingruppen verschiedene Stationen der Rettungskette, von der Alarmierung der Rettungskräfte über Atemspende und Überprüfung der Vitalzeichen in der Enge eines Rettungsbootes der Wasserwacht bis zur Überprüfung der neurologischen Funktionen und Anforderung weiterer Rettungsmittel wie z.B. Hubschraubertransport in die nächste Druckkammer und Einsatz von Geräten zur normobaren Sauerstofftherapie. An insgesamt acht Unterrichtstagen mit vielfältigen Themen rund um die hyperbare Sauerstofftherapie und Tauchmedizin werden die Teilnehmer in Theorie und Praxis geschult, wobei insbesondere die praktischen Anteile am Fühlinger See und in der Druckkammer auch den Nicht-Tauchern einen praxisnahen Zugang ermöglichen.

Sebastian Billig, Medizinstudent aus Aachen, langjähriger Vereinstaucher und ohne Vorerfahrung als Notarzt, spricht die Fortbildung besonders durch die Praxisanteile an. Die Enge an Bord des Rettungsbootes, die Notwendigkeit, sich vor Ort zu organisieren, wird jedem in dieser Situation überdeutlich. Ziel des Praxisworkshops am Fühlinger See ist, Fachärzte besser auf ihre Notfall-Einsätze bei der Rettung von Tauchern vorzubereiten. Die Kooperation aller beteiligten Kräfte von Feuerwehr, DLRG, Wasserwacht, HBO-Druckkammer und medizinischem Personal ermöglicht den Medizinern im Ernstfall eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten. Zusätzlichen Rat erhielten die Teilnehmer von Pascal Kolb von Divers Alert Network, ein internationales Netzwerk zur Verbesserung der Sicherheit beim Tauchen. Es bietet Hilfsleistungen, Versicherungen sowie Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für Sporttaucher, Tauchlehrer und Tauchmediziner an.

Frank Schütz aus Berlin hingegen hat trotz langjähriger Notarzterfahrung und seinem Einsatz als Arzt für Polizeitaucher in den Gewässern der Hauptstadt das Arbeiten im Team als besonders positiv empfunden. „Jeder hat sein Vorwissen eingebracht und gemeinsam haben wir die Situation optimal gemeistert, wobei alle voneinander noch etwas lernen konnten.“ Dies bestätigt auch Allgemeinmediziner Florian Höllein aus Regensburg. Er hat als Taucher der Wasserwacht schon diverse Rettungsaktionen erlebt, möchte sich aber mit dem Abschluss als Taucharzt nach GTÜM, der Gesellschaft für Tauch und Überdruckmedizin, auch beruflich für den Ernstfall wappnen. „ Mit drei Fachdisziplinen an Bord haben wir miteinander diskutiert und eine optimale Betreuung des verunfallten Tauchers ermöglicht. Außerdem war es gut, sich mit der schwierigen Platzsituation für die Reanimation an Bord beschäftigen zu müssen, das ermöglicht schnellere Entscheidungen im Ernstfall.“
Die Mehrheit der Teilnehmer ist mit dem Tauchen durch eigene Erfahrungen im Sport vertraut, doch es gibt auch Teilnehmer aus Fachdisziplinen wie z.B. Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie Betriebs- und Arbeitsmedizin. Für sie sind die möglichen Auswirkungen von Vorsorgeuntersuchungen sowie Unfällen bei Berufstauchern, wie z.B. bei Feuerwehr, Ölbohrfirmen, Druckkammern und Druckluftbaustellen entscheidende Kriterien für die Fortbildung und Teil ihrer täglichen ärztlichen Tätigkeit. Von ihrer Einschätzung hängen berufliche Perspektiven und Abwägung zu körperlichen Risiken dieser Berufsgruppe ab. Annette Fister aus Münster ist Arbeitsmedizinerin ohne Tauchvorerfahrungen, sie erhofft sich eine bessere Vorbereitung auf dieses sehr spezifische Berufsfeld für ihre Tätigkeit bei einem großen Unternehmen, insbesondere auch für die Arbeit auf Druckluftbaustellen. Zum Abschluss gab es einen gemütlichen Grillabend in der unterstützenden Tauchschule Blue Marlin mit ausgiebigem Fachaustausch zwischen den Teilnehmern, die den weiteren Verlauf der Fortbildungsveranstaltung schon mit großer Spannung erwarteten und die Kooperation aller beteiligten Rettungsdienste als außerordentlich gelungen bezeichneten.

(Text und Bilder: Regina Jaschke-Schröder)


Ein Filmteam des WDR filmte die Rettungsvorgänge für einen Beitrag der "Aktuellen Stunde, der in der Mediathek des WDR zur Verfügung steht http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/aktuelle-stunde/video-tauchunfaelle--100.html

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