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Sie freuen sich, dass die anonyme Spurensicherung nun im Krankenhaus Düren auch für männliche Opfer von sexualisierter Gewalt möglich ist (von links): Tim Johnen (stellv. Pflegeleitung der Notaufnahme), Dr. Kirsten Oelbracht (ärztliche Leitung der Notaufnahme), Sigrid Bergsch (HObAS), Christian Heinze-Tydecks (HObAS) und Priv.-Doz. Dr. Christof Börgermann (Chefarzt der Urologie). Foto: C. Lammertz

„Viele Opfer sexualisierter Gewalt sind nach der Tat zunächst nicht in der Lage, eine Anzeige zu erstatten“, weiß Sigrid Bergsch. Die Vorsitzende des Vereins „HObAS - Hilfe für Opfer sexualisierter Gewalt und Prävention“ ist daher sehr froh darüber, dass im Kreis Düren seit zehn Jahren eine Spurensicherung in anonymisierter Form angeboten wird. Durch die Möglichkeit, in drei Kliniken des Kreises Düren die Spuren einer Sexualstraftat in den ersten 72 Stunden danach anonym zu erfassen und zu dokumentieren, gewinnen Mädchen und Frauen die Zeit, sich psychisch zu stabilisieren, Unterstützung zu suchen und erst dann Anzeige zu erstatten. Ab sofort gilt das auch für Männer, die Opfer sexualisierter Gewalt werden. Anlaufstelle ist das Krankenhaus Düren. Ärzte der Urologie und Pflegekräfte der Notaufnahme sind dort speziell für diese Aufgabe geschult worden. Jetzt überreichte Sigrid Bergsch den Verantwortlichen im kommunalen Krankenhaus die ersten Spurensicherungssets.

Die anonyme Spurensicherung für Mädchen und Frauen ist eine Initiative des Runden Tischs gegen Gewalt an Frauen des Kreises Düren, an dem auch der Verein „HObAS“ beteiligt ist. Dem Verein war es nun ein großes Anliegen, diese Möglichkeit auch für männliche Opfer zu schaffen. „Sexuelle Gewalt gegen Männer ist in unserer Gesellschaft leider ein Tabuthema“, sagte Sigrid Bergsch bei der Übergabe der Spurensicherungssets. „Männer schämen sich noch mehr dafür, Opfer einer Sexualstraftat zu sein. Daher bleiben viele Taten im Dunkeln.“ Es sei ihr sehr wichtig, dass Männer in dieser Situation die gleichen Möglichkeiten haben wie Frauen, begründet die „HObAS“-Vorsitzende ihre Initiative, mit der sie im Krankenhaus Düren auf offene Ohren stieß. „Es ist für uns selbstverständlich, dass wir diese sehr wertvolle Initiative unterstützen“, betonte Priv.-Doz. Dr. Christof Börgermann, Chefarzt der Urologie. Er verwies darauf, dass in der Gesellschaft kaum bekannt sei, dass es sexualisierte Gewalt auch gegen Männer gibt, weil die meisten Opfer aus Scham schweigen. Daher sei es wichtig, Anlaufstellen zu schaffen, die Sicherheit und einen geschützten Rahmen bieten. Die Möglichkeit der anonymen Spurensicherung sei dabei ein wichtiger Baustein.

Der Verein „HObAS“ gewährleistet die Organisation und Überführung der Spuren und Proben an die Rechtsmedizin in Köln, in der sie zwei Jahre anonym unter einer Chiffre gelagert werden. Innerhalb dieser zwei Jahre können die Spuren dort nach einer Anzeige untersucht und für ein Verfahren verwendet werden. „HObAS“ leistet aber noch mehr als organisatorische Unterstützung. Seit zehn Jahren begleitet Sigrid Bergsch Mädchen und Frauen, die Opfer wurden. Für die Begleitung männlicher Opfer hat sie nun Christian Heinze-Tydecks gewinnen können. Er unterstütze das wertvolle Anliegen von „HObAS“ sehr gerne, sagte der Koordinator der Notfallseelsorge im Kirchenkreis Jülich. Männliche Opfer sexualisierter Gewalt können sich jederzeit an die Notfallnummer 01578/9300665 wenden.