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Oberärztin Brigitte Layer (links) und Fachgesundheits- und Krankenpflegerin Anja Sommer bieten als ausgebildete Simulationsinstruktorinnen regelmäßig Trainings für die ärztlichen und pflegerischen Kolleginnen und Kollegen an. Dafür steht ein hochkomplexer Dummy zur Verfügung. Foto: C. Lammertz

Um die Risiken für eine Katastrophe zu minimieren, hat die Luftfahrt schon vor über 30 Jahren Sicherheitstrainings im Flugsimulator eingeführt. Ausschlaggebend dafür war die Erkenntnis, dass in den weitaus meisten Fällen nicht mangelndes Können Auslöser von Flugzeugunglücken war, sondern Entscheidungsschwäche, Kommunikationsprobleme und Kompetenzkonflikte an Bord. „Crew Resource Management“ (CRM) nennt sich das Programm, das für die Flugpassagiere ein hohes Maß an zusätzlicher Sicherheit gebracht hat.

Auch in der Patientenversorgung ist Sicherheit ein äußerst wichtiger Aspekt. Und daher hat die Medizin gerne von der Luftfahrt gelernt. So gibt es Simulationstrainings auf der Basis von CRM-Kriterien inzwischen auch für Ärzte und Pflegende. Im Krankenhaus Düren sind derartige Trainings längst an der Tagesordnung. „Die Sicherheit jedes einzelnen unserer Patienten ist es uns wert, so viel wie möglich dafür zu tun, Zwischenfälle bei der Patientenversorgung zu vermeiden“, betont Prof. Stefan Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Mit Oberärztin Brigitte Layer und Fachgesundheits- und Krankenpflegerin Anja Sommer hat Prof. Schröder in seinem Team zwei ausgebildete Simulations-Instruktorinnen, die regelmäßig Trainings für die ärztlichen und pflegerischen Kolleginnen und Kollegen anbieten. In Simulationsszenarien mit einem Dummy können Komplikationen oder Notfallmaßnahmen, aber auch Routinesituationen trainiert werden. „Die Anästhesie erfordert im klinischen Alltag regelmäßig strukturiertes Teamwork und insbesondere wirksame interprofessionelle Kommunikation“, erklärt Oberärztin Brigitte Layer. „Optimale Kommunikation basierend auf dem Crew Ressource Management hilft, Fehler zu vermeiden, und macht das gesamte Teamwissen nutzbar.“ Die im Rahmen des Trainings durchgeführte Reflexion der Handlungen und Abläufe führe oftmals zur Verstärkung positiver Verhaltensweisen, sagt Anja Sommer: „Aber Simulationstrainings bieten halt auch die Möglichkeit, aus Fehlern ohne nachteilige Konsequenzen für den Patienten zu lernen.“

Auf Simulationstrainings nach dem CRM setzt das Krankenhaus Düren auch in der Geburtshilfe. Nur eines von 100 Neugeborenen braucht erweiterte medizinische Maßnahmen wie Maskenbeatmung oder Sauerstoffgabe nach der Geburt. Somit ist der „Baby-Notfall“ statistisch gesehen ein seltenes Ereignis. „Gerade deshalb ist es essentiell, dass das gesamte Team bestmöglich auf diesen Fall vorbereitet ist“, sagt Kinderarzt Dr. Andreas Wentz. Kreißsaaloberärztin Dr. Barbara Termath-Bethge kann das nur bestätigen: „Um kritische Situationen bei der Neugeborenen-Versorgung sicher bewältigen zu können, ist regelmäßiges Training notwendig. Im Simulationszentrum unseres Krankenhauses werden Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen daher immer wieder mit schwierigen Übungsszenarien konfrontiert, die es nach klaren Strategien im Team zu lösen gilt. Das ist die Grundlage dafür, dass alle Beteiligten auch für den Umgang mit unerwarteten Herausforderungen die nötige Souveränität entwickeln.“

Zusatzinfo: Erfahrungen aus der Pandemiezeit nutzen

In der Zeit besonderer Herausforderungen durch die Corona-Pandemie wurden in den Krankenhäusern viele Maßnahmen zur Patientensicherheit entwickelt, von denen auch im Klinikalltag profitiert werden kann. Mit Partnern aus anderen Kliniken der weiteren Region haben Prof. Schröder und weitere Mediziner des Krankenhauses Düren auf Basis der Corona-Erfahrungen Empfehlungen für eine sichere und bedarfsorientierte Patientenversorgung im Klinikalltag erarbeitet, die als Facharbeit im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde. „Aus den erarbeiteten Empfehlungen planen wir eine Folgestudie zur Schaffung standardisierter Kriterien für die Verlegung auf und von der Intensivstation“, berichtet der Leitende Oberarzt der Intensivmedizin, Dr. Jan-Karl Schütte. Sie soll zeigen, wie sich einheitliche Verlegungskriterien auf den Patientenfluss, die Nutzung der Intensivbettenkapazitäten und vor allem auf die Patientensicherheit auswirken.

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