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Unfall in der Gartenkolonie: Auch dieses Notfallszenario musste von der Teilnehmern der Notarzt-Fortbildung in Düsseldorf gemeistert werden. Foto: Regina Jaschke-Schröder

Einsatz in der Gartenkolonie, nach einem Unfall am Straßenrand, in unbekannten Wohnräumen, mitten in der Nacht: Im Notarztdienst weiß keiner, was ihn im Detail erwartet, wenn der Notruf in der Zentrale eingeht. Dafür gewappnet zu sein und auch die scheinbar unauffälligen, aber notwendigen Hinweise zu sehen oder nach ihnen zu fragen, ist das Ziel des von Ärztekammern anerkannten Notarzt-Simulationskurses NaSim 25 des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).  In drei Tagen 25 von 50 erforderlichen Notfällen zu meistern und damit für die Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin zu trainieren, war das Ziel von 18 angehenden NotärztInnen und ihren 8 InstruktorInnen im Bildungszentrum des DRK in Düsseldorf. Der Kurs stand unter der ärztlichen Leitung von Prof. Stefan Schröder, dem Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie im Krankenhaus Düren.

Die Teilnehmenden kommen aus der ganzen Bundesrepublik, da wegen Corona viele Kurse ausgefallen oder überbelegt sind. Einige sind bereits Fachärzte, arbeiten auf Intensivstationen, als Internisten oder in der Anästhesie und wollen im Notarztdienst eingesetzt werden. Um Fehler zu vermeiden und den Patienten bestmöglich zu versorgen, hat das DRK-Bildungszentrum einen Simulationskurs konzipiert, in dem mögliche Problemsituationen unter realistischen Bedingungen bearbeitet werden. Während Instruktorin Jessica die Kindernotfälle vorbereitet, Krupphustengeräusche auf ihr Handy downloaded oder eine Pflegeperson ohne ausreichende Kommunikationsmöglichkeiten spielt, steuert Prof. Schröder die Einsätze, beobachtet und bringt die Teilnehmenden zur Selbstreflexion. Wurden alle relevanten Informationen kommuniziert, waren alle Aktionen sinnvoll? „Manchmal ist weniger mehr“, ist sein Fazit, „Je mehr Technik ich auspacke, desto eher signalisiere ich, die Situation ist bedrohlich, auch wenn sie das gar nicht ist. Also muss ich zuerst den Bedarf einschätzen. Gerade bei Einsätzen mit Kindern sind die Eltern Co-Patienten, die beteiligt sind und mitbehandelt werden müssen.“

Patrik, Anästhesist aus Aachen, hat langjährige Vorerfahrung von der Intensivstation und auch bei Medikamenten aus dem Notarztkoffer ist er vielen KollegInnen voraus, doch auch ihm fällt die Koordination der anwesenden Kollegen in der Notarztrolle nicht leicht. Der Patient vom Verkehrsunfall muss per Schaufeltrage zum Wagen gebracht werden, diese ist verklemmt und lässt sich nicht sicher einsetzen, die Uhr tickt, und noch steht die Entscheidung aus, ob man im Wagen vor Ort weiterversorgt oder dem angeforderten Hubschrauber entgegenfährt. Unter den kritischen Augen der beiden InstruktorInnen, die per Laptop Herzfrequenz, Atmung, Aussehen und Reaktion der Simulationspuppe auf die Maßnahmen steuern und Regieanweisungen zur Umgebungssituation vorgeben, entscheidet Patrik sich für den Transport ins Krankenhaus, gibt die letzten Anweisungen an sein Rettungsteam und das Szenario ist beendet. Bei der anschließenden Manöverkritik geht es darum, was lief gut, aber vor allem auch, was ist ihnen entgangen, welche Information fehlte oder wurde übersehen, was lässt sich durch bessere Vorbereitung, vor allem aber auch durch mehr Kommunikation und Zusammenarbeit im Team optimieren? Dabei wird allen schnell deutlich: Jedes einzelne Teammitglied kann einen wertvollen Beitrag zum Einsatz leisten, aber die NotärztInnen müssen die Führung übernehmen.

Die InstruktorInnen sind langjährig als Notärzte erfahren und Simulationstrainingsprofis, sie merken schnell, wem noch Erfahrung fehlt, denn ohne essentielle Vorkenntnisse über Medikamentengabe, Handling und vor allem Überblick ist das ganze Team bei der Bewältigung nicht ausreichend effektiv.  NotärztInnen müssen stressresistent sein, doch bei den immer wieder wechselnden Szenarien können alle Beteiligten erkennen, dass eine koordinierende Person alle Aktionen des Teams sinnvoll für den Patienten einbinden muss.

Die Szenarien wechseln stündlich: Unfallopfer, plötzlicher Kindstod, Medikamentenvergiftung, Herzinfarkt, Pseudokrupp und noch 20 andere Fälle fordern die Teilnehmenden und führen zu intensivem Austausch über Vorerfahrungen, Spezialfälle und Fehler auch in den notwendigen Pausen, in denen die InstruktorInnen neue Szenarien abstimmen und ihre Rollen variieren. Nach drei Tagen sind die Teams, die reihum ihre Rollen als Rettungsdienstmitarbeitende und NotärztInnen übernehmen und dabei lernen, ihre jeweilige Aufgabe auch durch ihre Erfahrung in die Teamarbeit zu integrieren, zusammengewachsen und funktionieren immer besser. Ein erfolgreiches Beispiel dafür, dass nicht eine Person allein entscheidend ist, sondern das Team gemeinsam den Einfluss auf das Outcome der Patienten hat.

Wie in der Luftfahrt werden Simulationstrainings als effektives und Fehlerketten-durchbrechendes Mittel im medizinischen Sektor erfolgreich eingesetzt, von dem Personal und Patienten profitieren. Die Nachfrage ist hoch, wohnortnahe Plätze sind schnell vergeben. Um die Notarztversorgung im Kreis Düren auf mehr und breitere Schultern zu verteilen und jungen ÄrztInnen den Einstieg zu erleichtern, ist ein NASIM 25 Kurs auch am Dürener Krankenhaus in Planung. (Regina Jaschke-Schröder)

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