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Wo liegen noch einmal die Autoschlüssel? Wer hat die Einkaufsliste gesehen? Viele Dinge verschwinden immer dann, wenn die Zeit ohnehin schon knapp ist. Es beginnt oft eine hektische Suche, gefolgt von einem überstürzten Aufbruch. Was im Alltag schlimmstenfalls ärgerlich sein mag, kann im Operationssaal schwerwiegende Auswirkungen haben. Für Hektik ist daher bei einem medizinischen Eingriff kein Platz. Ordnung mag außerhalb das OPs das halbe Leben sein. Hinter der Schleuse des Operationssaales jedoch ist Ordnung lebenswichtig.

Schon die Vorbereitung jeder Operation folgt daher einer Choreographie. Die ersten Handgriffe sind bereits getan, bevor auch nur eine Person den Saal betreten hat. Das Krankenhaus Düren gehört zu den wenigen Häusern in der Region, die noch eine eigene Zentralsterilisation betreiben. Dort werden nach einem Eingriff nicht nur alle chirurgischen Instrumente gereinigt und sterilisiert, die Abteilung stellt auch sogenannte Siebe zusammen, die steril verpackt und gelagert werden. Je nach Art der Operation enthalten diese Siebe die benötigten Instrumente und Hilfsmittel. So kann neben geplanten Operationen auch bei Notfällen ohne Zeitverlust mit dem Eingriff begonnen werden – und es ist gewährleistet, dass alle benötigten Instrumente einsatzbereit sind.

„Wir haben für jede Operation Standards“, erklärt Jenny Hermann, Operationstechnische Assistentin im Krankenhaus Düren. In einem Handbuch ist detailliert festgelegt, welches Sieb für welche OP benötigt wird, wie die Utensilien auf dem Instrumententisch platziert werden, welche zusätzlichen Materialien wie Kompressen, Verbände, Nadeln und Behälter für Gewebeproben benötigt werden. Diese Anordnung kann bei jedem Operateur anders aussehen, da beispielsweise Instrumente bei einem Linkshänder anders angereicht werden als bei einem Rechtshänder. Die Standards wurden über Jahre erarbeitet, immer wieder auf den Prüfstand gestellt und bei Bedarf auch bearbeitet, damit während der Operation jeder Handgriff sitzt und keine Zeit verloren geht.  Die Handgriffe während eines Eingriffs teilen sich die OP-Schwestern und -Pfleger auf, denn gearbeitet wird immer im Zweierteam. Der oder die Instrumentierende trägt wie die Operateure einen sterilen OP-Kittel und Handschuhe, reicht Instrumente an, nimmt Proben entgegen und ist sozusagen im direkten Umfeld des Patienten tätig. Das zweite Teammitglied übernimmt als Springer die Aufgabe, Materialien anzureichen, bei Bedarf weitere Utensilien zu beschaffen, Geräte zu bedienen und Ordnung zu halten. Dabei wird strikt darauf geachtet, dass es keine Berührungspunkte von „außen“ zum sterilen Bereich gibt. Alle Verbrauchsmaterialen sind beispielsweise doppelt verpackt, sodass der Springer die erste Verpackung öffnen kann und nur der Instrumentierende den eigentlichen Inhalt bei der Entnahme berührt. Der Springer übernimmt auch die Dokumentation der OP. Welche Materialien wurden eingesetzt? Was wurde zu welchem Zeitpunkt getan, welche Proben entnommen? Zum Abschluss jeder OP wird durchgezählt: Liegen alle eingesetzten Nadeln und Kompressen auf dem Ablagetisch? Sind die Instrumente vollzählig?

 „Tupfer“, „Klemme“, „Blutsperre an“

Wird vor dem Beginn des Eingriffs noch einmal im gesamten Team über die geplante Operation gesprochen und über relevante Vorerkrankungen des Patienten informiert, ist die Kommunikation während des Eingriffs eher knapp. „Tupfer“, „Klemme“, „Blutsperre an“: Der Operateur sagt an, welche Instrumente er benötigt und was getan werden soll. Auf eine kurze Bestätigung folgt die Ausführung. „Die Operateure sollen sich komplett auf die OP konzentrieren können“, erklärt Oberarzt Thorsten Repas. Die Teams sind so eingespielt und erfahren, dass die OP-Schwestern und Pfleger wissen, welche Instrumente zu welchem Zeitpunkt benötigt werden – und können viele Handreichungen auch ohne Ansage vorwegnehmen. Jeder Springer kann im Notfall auch die Aufgaben des Instrumentierenden übernehmen, oft wechseln sich beide von OP zu OP während einer Schicht auch ab. 

Am Ende jeder OP werden alle benutzten und angebrochenen Verbrauchsmaterialien wie Kittel, Handschuhe und Kompressen gesondert entsorgt und die chirurgischen Instrumente und Hilfsmittel treten den Rückweg in die Zentralsterilisation an. Wenn der Patient den Operationssaal verlässt, ist auch die Dokumentation des Eingriffs abgeschlossen, damit die Informationen den weiterbehandelnden Ärzten ohne Zeitverlust zur Verfügung stehen. Der letzte Punkt der Choreographie ist stets die komplette Reinigung und Desinfektion des OPs. Danach beginnen die Vorbereitungen für den nächsten Eingriff. Für Unordnung ist in diesem Umfeld weder Zeit noch Raum.  

Dieser Artikel wurde zuerst in der Ausgabe 3_2021 unseres Gesundheitsmagazins InForm veröffentlicht: https://www.krankenhaus-dueren.de/images/InForm/InForm_aktuell.pdf.