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Mara Dreßen, Marianna Kasanzew und Katharina Schwarzkopf (von links) sind die ersten Advanced Practise Nurses im Krankenhaus Düren. Sie kombinieren pflegerisches Erfahrungswissen mit wissenschaftlicher Herangehensweise. Foto: C. Lammertz

Mit einem Pilotprojekt möchte das Krankenhaus Düren neue Pflegekonzepte entwickeln. Im englischen Sprachraum ist das Advanced Practice Nursing (APN) bereits eine feste Größe im Klinikalltag. In Deutschland sind studierte Pflegende bislang eher eine Ausnahme. Marianna Kasanzew, Katharina Schwarzkopf und Mara Dreßen sind die ersten akademischen Pflegeexpertinnen, die im Dürener Krankenhaus APN praktizieren, die pflegerisches Erfahrungswissen mit wissenschaftlicher Herangehensweise kombinieren. 

„Wer bislang nach der Ausbildung noch Pflegemanagement studiert hat, war weg vom Bett, arbeitete fortan vom Schreibtisch aus, in der Wissenschaft oder im Management. Wir wollen hier eine echte Akademisierung der Pflege und haben daher für unser Team Mitglieder gesucht, die dafür brennen, die Patientenversorgung zu verbessern und auch weiter mit den Patienten zu arbeiten“, erklärt Pflegedirektor Sebastian Heilsberger. Die Hälfte ihrer Arbeitszeit werden Marianna Kasanzew, Katharina Schwarzkopf und Mara Dreßen klassisch „am Patienten“ verbringen, die andere Hälfte dafür nutzen, pflegerische Themen wissenschaftlich aufzubereiten, Analysen zu erarbeiten, Kolleginnen und Kollegen zu schulen und somit neue Methoden und Erkenntnisse wieder ans Bett zu bringen.

 „Wir erwarten vorrangig eine Steigerung der Qualität der direkten Patientenversorgung – als positiven Nebenaspekt aber auch eine erhöhte Attraktivität als Arbeitgeber und damit einen Vorteil auf dem angespannten Arbeitsmarkt“, erklärt Sebastian Heilsberger. Das Konzept, eine klassische Ausbildung mit einem Studium zu kombinieren, sei besonders interessant für Fachkräfte, die mehr Verantwortung übernehmen möchten. „Wer diese Möglichkeit nicht im eigenen Haus anbietet, wird in Zukunft Mitarbeiter verlieren“, prognostiziert der Pflegedirektor.

„Wir möchten helfen, das System zu verbessern. Viele Prozesse in Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegediensten sind nicht konsequent am Patienten ausgerichtet, sondern um die Patienten herum gebaut“, beschreibt Katharina Schwarzkopf ihre Motivation, nach der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin angewandte Pflegewissenschaft an der Katholischen Hochschule Köln zu studieren und sich intern auf eine der neu eingerichteten Stellen zu bewerben. Wie ihre beiden Kolleginnen hat sie die Ausbildung an der Pflegeschule des Krankenhauses gemacht und ist nach dem Examen im Team des kommunalen Hauses geblieben. Den drei Pflegerinnen ist es wichtig, weiterhin auf der Intensivstation, im Mutter-Kind-Zentrum und der gastroenterologischen Station Dienst zu tun, als akademische Pflegeexpertinnen aber auch dem gesamten Haus zur Verfügung zu stehen. Erstes konkretes Projekt wird eine Verbesserung des Delirmanagements sein, also der Pflege von Patienten mit speziellen Verwirrtheitszuständen.   

„Ich finde es toll, dass wir geeignete Kandidatinnen aus den eigenen Reihen hatten“, sagt Sebastian Heilsberger und betont, dass Advanced Practice Nursing keinesfalls ein Ansatz sei, den Ausbildungsberuf durch eine akademisierte Variante zu ersetzen. „Die Pflege insgesamt kann nur profitieren, wenn Erfahrungswissen und ein wissenschaftlicher Ansatz Hand in Hand gehen“, ist Heilsberger überzeugt. „Der gesamte Beruf profitiert. Es muss uns gelingen, Pflege in der Gesellschaft wieder aufzuwerten, diesen Weg für mehr Menschen interessant zu machen“, sagt Marianna Kasanzew, die sich auch im Bundesvorstand der Pflegegewerkschaft Bochumer Bund engagiert.