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Organisatoren und Referenten des 1. Pflegeforums im Krankenhaus Düren (v.l.): Heinz Lönneßen, Michael Kehren, Monika Skibicki, Andreas Westerfellhaus und Erik Och. Foto: Christoph Lammertz

Pflegeratspräsident fordert beim Forum im Krankenhaus Düren mehr Selbstbestimmung

Ein hochqualifizierter Berufsstand, der zu wenig Wertschätzung erfährt und fremdbestimmt ist – das ist laut Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates, die Situation der Pflege in Deutschland. Und deshalb ist es für ihn keine Frage, dass sie dringend eine eigene Kammer braucht, damit berufspolitische Entscheidungen endlich von denen gefällt werden, die wissen, wovon sie reden. „Pflegekammer – was soll das?“, lautete der Titel einer Informationsveranstaltung, mit der das Krankenhaus Düren und die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) ihre neue Reihe „Forum Pflege“ starteten. Auch wenn Andreas Westerfellhaus betonte, dass sich mit der Gründung einer Pflegekammer nicht alle Probleme, mit denen der Berufsstand zu kämpfen hat, in Luft auflösen, so sei sie doch der entscheidende Schlüssel, sagte der Pflegeratspräsident.

Mit Andreas Westerfellhaus durften die Organisatoren Erik Och (er übernahm auch die Moderation des Abends) und Heinz Lönneßen zur Premiere des Forums zwei weitere prominente Gäste im Kongresszentrum des Krankenhauses begrüßen: Monika Skibicki, Vorsitzende der Nationalen Konferenz zur Errichtung von Pflegekammern, und Michael Kehren, Vorsitzender des Bundes- und Landesfachbereichs Gesundheit in der Komba-Gewerkschaft. Die drei Referenten und mit ihnen – das zeigte die anschließende Diskussion – die zahlreichen Pflegerinnen und Pfleger im Publikum gaben ein eindeutiges Bekenntnis zur Pflegekammer ab. „Unser Gesundheitsminister lobt die Ärztekammer als große Errungenschaft für die Ärzte und das Gesundheitswesen insgesamt. Für die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen hält er eine solche Einrichtung aber offenbar für überflüssig“, stellte Pflegeratspräsident Westerfellhaus kopfschüttelnd fest. Diese inkonsequente und unglaubwürdige Haltung ziehe sich leider quer durch die deutsche Politik. Während hierzulande ernsthaft darüber diskutiert werde, ob es sinnvoll sein könnte, Strafgefangene in der Pflege einzusetzen, unterscheide sich die Situation in den meisten anderen europäischen Ländern davon kolossal. Dort habe die Pflege längst ihre anerkannten Selbstverwaltungsorgane, habe sich dadurch wesentlich bessere Arbeitsbedingungen erkämpft und genieße eine deutlich höhere Wertschätzung. „Wenn Ihr in Deutschland endlich etwas ändert, kommen wir gerne zurück“, höre er immer wieder, wenn er mit einer der vielen Pflegekräfte spreche, die inzwischen ins Ausland gegangen sind, berichtete Westerfellhaus und versprach, sich für diese Veränderung weiter massiv einzusetzen.
Bei der Gründung einer Pflegekammer gehe es unter anderem um Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung in der Pflege, um verbindliche Berufsordnungen und Berufsethik, darum „dass Experten aus den eigenen Reihen bestimmen, was Pflege ist“, betonte Monika Skibicki. Pflege dürfe nicht länger „unter der Fuchtel der Ärzte“ arbeiten und von fachfremden Entscheidungsträgern abhängig sein, die nur an Symptomen herumdoktern, forderte Skibicki und bat die Zuhörer: „Engagieren Sie sich persönlich. Treffen Sie die Entscheidung und überzeugen Sie Andere vom Nutzen einer Pflegekammer.“
Dass Gewerkschaften, die in der Regel mehrere Berufsgruppen vertreten, nicht für eine fehlende Pflegekammer in die Bresche springen könnten, betonte Michael Kehren. „Wir mussten anerkennen, dass die Gewerkschaften 20 Jahre lang für die Pflege berufspolitisch nichts erreicht haben“, räumte der Gewerkschafter ein und schloss daraus:  „Wir sind zuständig für gute Tarifverträge – berufspolitische Fragen sind bei den Pflegenden selber besser aufgehoben.“