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Im Notfall den Überblick behalten: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten im Simulationstraining die richtigen Handgriffe. Foto: Krankenhaus Düren

Hands On Workshop an Hühnereiern, Schweinelungen und Tiefkühlspeck

„Hallo, Herr Müller, hören Sie mich? Bekommen Sie schwer Luft?“
Alle Versuche des Notarztteams, mit dem 86-jährigen Heimbewohner auf der Terrasse zu kommunizieren, misslingen. Neben Herrn Müller liegen ein Muffin und eine leere Limonadenflasche, doch die Notärztin kann keine Fremdkörper im Mund feststellen. Der Versuch, dem Patienten mit Atemmaske Erleichterung zu verschaffen, bleibt erfolglos. Auch ein Beatmungsschlauch kann nicht geschoben werden, außerdem ist die Zunge angeschwollen. Diagnose: allergische Reaktion durch einen Insektenstich, die Luftröhre schwillt zu, Atemnot. Das Rettungsteam bereitet sich auf einen notwendigen Luftröhrenschnitt vor. Ein lebensrettender Eingriff, um den Patienten wieder beatmen und Sauerstoff zuführen zu können.
Anästhesistin Franziska Eßer atmet auf - während des Notfallszenarios hat sie ihr Team angeleitet, versucht, selbst den Überblick zu behalten, die richtigen Medikamente anzufordern und schließlich für eine erfolgreiche Verlegung ins Krankenhaus gesorgt. Instruktor Dr. Marcus Münch, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Krankenhaus Mechernich, ist voll des Lobes: „Das war professionelle Umsetzung, effektive Teamarbeit, richtige Diagnose und Maßnahmen, Herr Müller lebt!“ Auch wenn es in diesem Fall nur um einen Dummy ging - im Eifer des Einsatzes haben das Team des Rettungswagens und die Notärzte wie im Ernstfall gehandelt. Statt echten Medikamenten wurden wassergefüllte Glasampullen mit den entsprechenden Aufklebern für die richtige Dosierung des passenden Medikaments eingesetzt und auch die Symptome des Patienten wurden vom Instruktoren-Team auf die Monitore gesteuert, doch das Szenario wirkt echt und der Puls aller Beteiligten ist merklich angestiegen.
Auch weitere Szenarien sind an Trainingsinhalte zu invasiven Notallmaßnahmen vom Vormittag des Fortbildungstages angepasst, frisch gekühlte Schweinebrustkörbe vom Metzger werden per Skalpell angeritzt, anschließend wird das Loch mit der Kornzange und Zeigefinger gespreizt, eine Drainage eingeführt, so dass die Lunge sich wieder ausdehnen kann. An Hühnereiern werden mit kleinen Bohrmaschinen Zugänge gebohrt und geübt, wieviel Druck und welche Medikamente eingesetzt werden können, wenn beim Notfallpatienten kein Gefäßzugang etabliert werden kann und ein Zugang in das Schienbein gebohrt werden muss. Sabine Zwittnig, Anästhesistin aus Düren, musste bisher keine Drainagen zur Entfaltung der Lunge im Ernstfall anwenden und sie nutzte das Training am Schweinemodell intensiv. Ein ganzer Tisch voller Kopfmodelle ermöglicht videogestützte Darstellungen des Kehlkopfes und der Luftröhre.
Auf viele Tipps hatten nicht nur junge Assistenzärzte gewartet, auch erfahrene Oberärzte ohne ständiges Notarzttraining profitieren von Fachwissen und Training bei den „Hands on“ -Workshops im Bildungszentrum des Krankenhauses Düren. Die Zusammenarbeit der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Krankenhauses Düren mit dem Bildungszentrum des DRK Düsseldorf und der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses Mechernich ermöglichte Rettungsdienstkräften und Medizinern in kleinen, interdisziplinären Teams die Notfallversorgung in verschiedenen Lernszenarien zu perfektionieren. „Auch der Perspektivwechsel innerhalb des Teams ist gewollt“, erläuterte Initiator Prof. Stefan Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Krankenhauses Düren.
"Häufig wechselt die Zusammensetzung von Rettungsteams, die Ausstattung der Rettungsmittel ist kreisabhängig unterschiedlich und das effektive Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidet über den Ausgang der Situation. Jedes einzelne Teammitglied darf, soll, muss hinterfragen, kontrolliert mit, gibt Rückmeldung, vergewissert sich, auch wenn die Notärzte ‚den Hut aufhaben‘, dass die bestmögliche Versorgung des Patienten gewährleistet ist“.
Das erfolgreiche Fortbildungskonzept spricht sich herum. Auch im Landkreis Münster wird für das nächste Simulationstraining in Düren schon geworben. Oberärztin Patricia Gros aus Steinfurt bei Münster war nach ihrer Teilnahme begeistert und machte direkt online Werbung für das praxisorientierte Training.

So macht Lernen Spaß.

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