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Blicken zusammen auf über 140 Jahre im Krankenhaus Düren zurück (v.l.): Josi Gießbach, Brigitte Behrendt, Hanns-Joseph Bergrath und Hubert Sommer. Für unser Jubiläumsmagazin erinnern sich an ihre ersten Berufsjahre in der Klinik an der Roonstraße. Foto: Christoph Lammertz

Zusammen kommen sie auf über 140 Jahre im Krankenhaus Düren: Brigitte Behrendt, Josi Gießbach, Hubert Sommer und Hanns-Joseph Bergrath gehören sozusagen zum Inventar der Klinik an der Roonstraße.

Ihre ersten Patienten haben sie zum Teil noch im alten Haus versorgt. Zu der Zeit, als das Krankenhaus Düren noch Städtische Krankenanstalten hieß. Sie waren junge Krankenschwestern und -pfleger, als vieles noch anders war im Gesundheitswesen. Manches war sicher schöner, anderes ist zum Glück Vergangenheit.

Beginn vor 40 Jahren

„Ich habe als Vorschülerin und Schwesterschülerin im Krankenhaus angefangen, als auf fast allen Stationen noch Nonnen die Leitung hatten", erinnert sich Brigitte Behrendt, die vor genau 40 Jahren an der Roonstraße angefangen hat. „Die haben ein strenges Regiment geführt", sind ihr die klaren Ansagen der Ordensfrauen noch gut in Erinnerung. 1975 endete nach 325 Jahren die Ära der Elisabethinnen in Düren. Ein Jahr danach folgte der Umzug des Krankenhauses in den Neubau. Vorbei waren die Zeiten, als manches Krankenzimmer noch sechs oder mehr Betten hatte. Vorbei waren aber auch die luxuriösen Zeiten für wohlhabende Privatpatienten, die im alten Haus regelrecht residiert hatten, wie sich Hanns-Joseph Bergrath erinnert: „Die Privatzimmer hatten eine Empore und Zugang zum Garten des Krankenhauses. Dort traf man zum Beispiel die Mitglieder der bekannten Dürener Industriellenfamilien." „In den Zimmern war so viel Platz, dass man Feten darin feiern konnte", ergänzt Brigitte Behrendt. „Auf der anderen Seite war es gang und gäbe, dass Patienten auf den Fluren bleiben mussten." Und wenn der Andrang an der Roonstraße ganz groß war, wurden sogar Betten in den Aufenthaltsräum gestellt. „Den Patienten hat man dort Weihnachtsglöckchen in die Hand gedrückt, mit dem sie das Pflegepersonal bei Bedarf herbeirufen konnten", lacht Josi Gießbach

Kürzere Aufenthalte

Anders als Brigitte Behrendt, die in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals die Station gewechselt hat, ist Josi Gießbach ihrer 8b immer treu geblieben. Und doch habe sie nie den Wunsch verspürt, etwas anderes zu machen, betont sie. „Ich musste mich nicht verändern, weil die Veränderungen zu mir gekommen sind", erklärt Josi Gießbach und meint damit die Entwicklungen im Gesundheitswesen, die unaufhaltsam waren. Bei den Behandlungsmethoden („Wir sind Magengeschwüren noch mit einer Magensonde und Eiswasser zu Leibe gerückt"), vor allem aber auch bei der Verweildauer der Patienten. „Nach einer Operation blieben die Leute früher zum Teil drei Wochen und länger im Krankenhaus. Da hat man schon eine intensivere Beziehung zu den Patienten aufgebaut", sagt Josi Gießbach. „Ich konnte die Tablettenrationen der meisten Patienten damals auswendig", stimmt ihr Brigitte Behrendt zu. Bei der damaligen Krankenhausfinanzierung nach Aufenthaltstagen war man in den Kliniken natürlich nicht unbedingt darauf aus, die Patienten schnell nach Hause zu schicken. Die Fortschritte in der Medizin, aber auch die Finanzierung nach Fallpauschalen, haben die Verweildauer in den vergangenen Jahren deutlich nach unten gedrückt. „Da kann die Beziehung zwischen Pflegepersonal und Patienten gar nicht mehr so intensiv werden", weiß Hans-Joseph Bergrath.

Dass der pflegerische Nachwuchs heute viel selbstbewusster als früher auftritt, ist für Bergrath eine normale Entwicklung: „Wir waren zurückhaltender und haben nicht diskutiert, wenn es zum Beispiel um Wochenenddienste ging.

Aber die Krankenhauswelt ist natürlich ein Spiegelbild der Gesellschaft und macht die gleiche Entwicklung durch." Bergrath arbei­tet nach mehreren Stationen in der Pflege und verantwortlicher Tätigkeit in der Zent­ralsterilisation des Hauses heute als stellver­tretender Vorsitzender des Betriebsrates im Krankenhaus Düren. Er ist jemand, der die Abläufe im Krankenhaus genau beobachtet, auch den Umgang der unterschiedlichen Berufsgruppen miteinander. Dass die Ärzte früher gegenüber dem Pflegepersonal auch manchmal einen Ton anschlugen, der heu­te nicht mehr akzeptiert würde, könne man sich leicht vorstellen, sagt Bergrath.

Halbgötter in Weiß

„Das waren damals zum Teil wirklich die Halbgötter in Weiß", erinnert sich Hubert Sommer, der seit vielen Jahren als Pfleger im OP arbeitet. „Man musste sie zu nehmen wissen, dann kam man mit ihnen klar", sagt Sommer und schaut so verschmitzt, dass kein Zweifel daran bleibt, ob er die Herren Doktoren zu nehmen wusste. Deutlich we­niger sei früher operiert worden, berichtet der OP-Pfleger, für alles habe man mehr Zeit gehabt - auch für den einen oder anderen Scherz. Die rasante technische Entwicklung in den Operationssälen habe ihn einerseits immer fasziniert, sagt Hubert Sommer, andererseits habe sie die Arbeit auch ano­nymer werden lassen. Dennoch sei für ihn nie ein anderer Beruf in Frage gekommen, betont Sommer und erntet zustimmendes Kopfnicken der anderen. Auch nach so vie­len Jahren sei die Arbeit im Krankenhaus eine erfüllende - bei aller Belastung, die sie mit sich bringt. Da sind sich Brigitte Beh­rendt, Josi Gießbach, Hubert Sommer und Hanns-Joseph Bergrath einig.