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Freuen sich mit dem kleinen Andre aus Angola über die gelungene OP: Dr. Bertram Barden, Prof. Stefan Schröder und Dr. Christof Börgermann (v.l.). Foto: Christoph Lammertz

Krankenhaus Düren startet Kooperation mit der Hilfsorganisation. Lions Clubs unterstützen die Partnerschaft.

Der kleine Andre kann schon wieder lachen. Vor zwei Tagen ist er von Priv.-Doz. Dr. Christof Börgermann, dem Chefarzt der Urologie im Krankenhaus Düren, operiert worden. Mit einer fehlgebildeten Harnröhre und weiteren Verletzungen im Genitalbereich ist der Achtjährige ins Dürener Krankenhaus gekommen. Jetzt geht es ihm sichtlich gut. Andres Anreise war lang, denn der Junge kommt aus Angola. Er ist der erste kleine Patient, der in der Klinik an der Roonstraße im Rahmen einer Kooperation mit dem Friedensdorf Oberhausen behandelt wird. Das Krankenhaus stellte die Kooperation, an der als Unterstützer auch die vier Lions Clubs aus Düren und dem Dürener Land beteiligt sind, heute vor.

Die Geschichte des Friedensdorfs Oberhausen begann im Jahr 1967. Damals richteten Bürger in Oberhausen ihren Blick auf das Leid der Kinder in den Kriegen von Korea, im Nahen Osten und in Vietnam und entschlossen sich zu helfen. Der Sechs-Tage-Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn ist die Geburtsstunde des Friedensdorfes. Ein zweiter Kriegsschauplatz kam hinzu und wurde zu einem Schwerpunkt-Einsatzgebiet des Friedensdorfes: Vietnam. Die ersten Gebäude des Friedensdorfes entstanden Ende 1967, die ersten Kinder aus Vietnam kamen im Dezember 67 zur medizinischen Behandlung nach Deutschland.

Aktuell sind Afghanistan und Angola die Haupteinsatzorte des Friedensdorfes. Bevor die Kinder in Deutschland behandelt werden, wird in ihrer Heimat geprüft, ob sie dafür in Frage kommen. Erste Voraussetzung ist, dass eine medizinische Behandlung in ihrer Heimat nicht möglich, in Europa aber Erfolg versprechend ist. Weitere Kriterien sind, dass die Familie des Kindes sich selbst keine Behandlung im Ausland leisten kann, dass es in Europa einen Klinikplatz zur kostenlosen Behandlung gibt und dass das Kind nach der Behandlung zu seiner Familie zurückkehrt.

Ab sofort gehört das Krankenhaus Düren zu den Partner-Kliniken des Friedensdorfs und hat sich bereiterklärt, vom Friedensdorf ausgewählte Kinder zu behandeln. Das Krankenhaus habe sich intensiv mit der Arbeit des Friedensdorfs befasst und sei vom seriösen Konzept der Hilfsorganisation begeistert, betonten Geschäftsführer Dr. Gereon Blum und der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Dr. Bertram Barden.  Vierteljährlich holt das Friedensdorf Kinder aus Kriegsgebieten nach Deutschland und leitet sie nach eigenen ärztlichen Untersuchungen und nach Absprache zielgerichtet an die passenden Partnerkliniken weiter. Die Dürener Klinik wird wegen der besonderen Qualifikation dabei künftig wohl häufig angesprochen, wenn kinderurologische Patienten zu behandeln sind. "Ich unterstütze das wie alle Kollegen im Haus sehr gerne", betonte Urologie-Chefarzt Dr. Börgermann. Prof. Dr. Stefan Schröder, der als Anästhesie-Chefarzt ebenfalls unmittelbar beteiligt ist, stellte heraus, dass die Ärzte des Krankenhauses die Behandlung der Kinder kostenlos übernehmen. Die Kosten für die pflegerische Betreuung und die Unterbringung der Kinder trägt das Krankenhaus. Für Fälle, in denen durch teure Medikamente oder aufwändiges medizinisch-technisches Material außergewöhnlich hohe, vorher vielleicht nicht absehbare Kosten entstehen, stehen die vier Lions Clubs aus Düren und dem Dürener Land (Lions Club Düren, Lions Club Düren-Marcodurum, Lions Club Düren-Rurstadt und Lions Club Kreuzau-Rureifel) zur Unterstützung bereit. "Die Lions Organisation ist seit langem für das Friedensdorfs ein zuverlässiger Partner und gehört zu denen, die durch ihre Spenden die wertvolle Arbeit ermöglichen", erklärte Hermann-Josef Weingartz. Weingartz ist Mitglied des Lions Clubs Kreuzau-Rureifel und Vize-Govenor der Lions Rheinland-Süd. Er und seine beiden Lions-Freunde Prof. Schröder und der im vergangenen Jahr verstorbene Dr. Hans-Josef Rücker, der lange Jahre als Beleg-Arzt mit dem Krankenhaus Düren verbunden war, haben die Idee einer Kooperation des Friedensdorfs mit dem Krankenhaus Düren geboren. Dass er die Krankenhaus-Verantwortlichen um Geschäftsführer Dr. Blum und alle vier Lions Clubs für diese Idee gewinnen konnte, mache ihn sehr glücklich, sagte Weingartz.

Genauso wie das Lachen von Andre, dem kleinen Patienten aus Angola. In einer aufwändigen dreistündigen OP haben Dr. Börgermann und sein Team die Fehlbildungen des Jungen korrigiert. "Wir mussten einiges rekonstruieren. Jetzt ist optisch und funktional alles wieder in Ordnung", berichtete der Urologie-Chefarzt. Eine Woche wird Andre wohl noch im Krankenhaus bleiben müssen. Danach wird er zur Regeneration eine Zeit im Friedensdorf in Oberhausen verbringen. Dann darf er zurück zu den Eltern in seine Heimat, wo der gesunde Andre hoffentlich zu einer Generation gehört, die das Land nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs weiter in eine friedliche und stabile Zukunft führt.

 

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