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Dienstag, 20 Dezember 2022 10:49

Invasive Notfalltechniken in der Akutmedizin

Hands On Workshop an Hühnereiern, Schweinelungen und Tiefkühlspeck

„Hallo, Herr Müller, hören Sie mich? Bekommen Sie schwer Luft?“
Alle Versuche des Notarztteams, mit dem 86-jährigen Heimbewohner auf der Terrasse zu kommunizieren, misslingen. Neben Herrn Müller liegen ein Muffin und eine leere Limonadenflasche, doch die Notärztin kann keine Fremdkörper im Mund feststellen. Der Versuch, dem Patienten mit Atemmaske Erleichterung zu verschaffen, bleibt erfolglos. Auch ein Beatmungsschlauch kann nicht geschoben werden, außerdem ist die Zunge angeschwollen. Diagnose: allergische Reaktion durch einen Insektenstich, die Luftröhre schwillt zu, Atemnot. Das Rettungsteam bereitet sich auf einen notwendigen Luftröhrenschnitt vor. Ein lebensrettender Eingriff, um den Patienten wieder beatmen und Sauerstoff zuführen zu können.
Anästhesistin Franziska Eßer atmet auf - während des Notfallszenarios hat sie ihr Team angeleitet, versucht, selbst den Überblick zu behalten, die richtigen Medikamente anzufordern und schließlich für eine erfolgreiche Verlegung ins Krankenhaus gesorgt. Instruktor Dr. Marcus Münch, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Krankenhaus Mechernich, ist voll des Lobes: „Das war professionelle Umsetzung, effektive Teamarbeit, richtige Diagnose und Maßnahmen, Herr Müller lebt!“ Auch wenn es in diesem Fall nur um einen Dummy ging - im Eifer des Einsatzes haben das Team des Rettungswagens und die Notärzte wie im Ernstfall gehandelt. Statt echten Medikamenten wurden wassergefüllte Glasampullen mit den entsprechenden Aufklebern für die richtige Dosierung des passenden Medikaments eingesetzt und auch die Symptome des Patienten wurden vom Instruktoren-Team auf die Monitore gesteuert, doch das Szenario wirkt echt und der Puls aller Beteiligten ist merklich angestiegen.
Auch weitere Szenarien sind an Trainingsinhalte zu invasiven Notallmaßnahmen vom Vormittag des Fortbildungstages angepasst, frisch gekühlte Schweinebrustkörbe vom Metzger werden per Skalpell angeritzt, anschließend wird das Loch mit der Kornzange und Zeigefinger gespreizt, eine Drainage eingeführt, so dass die Lunge sich wieder ausdehnen kann. An Hühnereiern werden mit kleinen Bohrmaschinen Zugänge gebohrt und geübt, wieviel Druck und welche Medikamente eingesetzt werden können, wenn beim Notfallpatienten kein Gefäßzugang etabliert werden kann und ein Zugang in das Schienbein gebohrt werden muss. Sabine Zwittnig, Anästhesistin aus Düren, musste bisher keine Drainagen zur Entfaltung der Lunge im Ernstfall anwenden und sie nutzte das Training am Schweinemodell intensiv. Ein ganzer Tisch voller Kopfmodelle ermöglicht videogestützte Darstellungen des Kehlkopfes und der Luftröhre.
Auf viele Tipps hatten nicht nur junge Assistenzärzte gewartet, auch erfahrene Oberärzte ohne ständiges Notarzttraining profitieren von Fachwissen und Training bei den „Hands on“ -Workshops im Bildungszentrum des Krankenhauses Düren. Die Zusammenarbeit der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Krankenhauses Düren mit dem Bildungszentrum des DRK Düsseldorf und der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses Mechernich ermöglichte Rettungsdienstkräften und Medizinern in kleinen, interdisziplinären Teams die Notfallversorgung in verschiedenen Lernszenarien zu perfektionieren. „Auch der Perspektivwechsel innerhalb des Teams ist gewollt“, erläuterte Initiator Prof. Stefan Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Krankenhauses Düren.
"Häufig wechselt die Zusammensetzung von Rettungsteams, die Ausstattung der Rettungsmittel ist kreisabhängig unterschiedlich und das effektive Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidet über den Ausgang der Situation. Jedes einzelne Teammitglied darf, soll, muss hinterfragen, kontrolliert mit, gibt Rückmeldung, vergewissert sich, auch wenn die Notärzte ‚den Hut aufhaben‘, dass die bestmögliche Versorgung des Patienten gewährleistet ist“.
Das erfolgreiche Fortbildungskonzept spricht sich herum. Auch im Landkreis Münster wird für das nächste Simulationstraining in Düren schon geworben. Oberärztin Patricia Gros aus Steinfurt bei Münster war nach ihrer Teilnahme begeistert und machte direkt online Werbung für das praxisorientierte Training.

So macht Lernen Spaß.

Publiziert in Anästhesie
Mittwoch, 09 November 2022 11:35

Maritime Notfallmedizin für Eifel-Notärzte

Dr. Stefan Schröder vom Krankenhaus Düren hat eine nicht-alltägliche Fortbildung konzipiert

Wasserunfälle spielen in der Rettungsdienstausbildung eher eine untergeordnete Rolle. Besonders dann, wenn die Nordseeküste einige Autostunden entfernt liegt. Professor Dr. Stefan Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Krankenhaus Düren, hat für die Notarztausbildung in der Eifel dennoch ein Segelschiff auf dem Ijsselmeer gechartert. Ein Widerspruch? Im Gegenteil: „Im Vergleich zu internistischen Notfällen sind Unfälle im und am Wasser bei uns relativ selten. Aber die Zahlen steigen – und für unerfahrene Notfallteams sind solche Einsätze eine besondere Herausforderung“, sagt der Notfallmediziner.
In Zusammenarbeit mit dem DRK Bildungszentrum Düsseldorf und dem Kreis-Krankenhaus Mechernich hat der Chefarzt des Dürener Krankenhauses die ganztägige Fortbildung „Maritime Notfallmedizin – Theorie und Praxistraining auf dem Ijsselmeer“ konzipiert und im Herbst erstmals angeboten. Von den 66 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter Notfallmediziner ebenso wie Rettungsdienstmitarbeiter und Pflegende, kam der Großteil aus der Region und NRW, aber auch aus Lübeck und vom Bodensee. Unter möglichst realistischen Bedingungen wurde an Bord des Segelschiffes „Admiraal van Kingsbergen“ geübt. Nicht nur bei Seegang, in engen Kojen unter Deck, an steilen Steigen und bei Gischt, sondern durchaus auch wie beim simulierten Fall eines verunglückten Tauchers im kühlen Nass selbst.
Ein chirurgischer Einsatz unter Deck auf hoher See wird zwar selbst beim weit in die Zukunft gerichteten Blick auf den „Indeschen Ozean“ höchst unwahrscheinlich bleiben – abwegig ist das maritime Training für Notärzte und Rettungskräfte aber durchaus nicht. „Wir sind auf dem Weg, eine Nation der Nichtschwimmer zu werden“, bilanziert Professor Dr. Stefan Schröder. Der Schulsport fällt aus, Bäder werden geschlossen, immer mehr Kinder lernen das Schwimmen nicht mehr. Aber in den immer heißer werdenden Sommermonaten werden Badeseen belagert, Pools im Garten errichtet – alles strebt Richtung Wasser. „Immer wieder gehen Menschen ‚nur‘ Baden, schätzen die Situation falsch ein und ertrinken“, sagt der Experte. Umso wichtiger ist es daher, Einsatzkräfte auf solche Szenarien und die damit verbundenen Herausforderungen und ungewohnten Orte vorzubereiten.
Wasser ist sein Element, in Hamburg und Lübeck groß geworden, kennt sich der Segler, Taucher und Kajak-Fahrer mit den Tücken und Gefahren aus. Als Mediziner, der auch Einsätze der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger begleitet hat, weiß Dr. Stefan Schröder auch um die Besonderheiten, die Einsätze am Wasser von Notfällen im Straßenverkehr und im häuslichen Umfeld unterscheiden. Bei massiven Unterkühlungen beispielsweisen laufen Stoffwechselprozesse extrem langsam, Medikamente wirken verzögert, eine Stromanwendung zur Reanimation kann die Retter selbst in Lebensgefahr bringen. Manche Handgriffe aus den Lehrbüchern erweisen sich schlichtweg als kaum durchführbar. Und die wichtigste Lektion: Lebensrettung ist Teamleistung, aber bereits beim Training unter besonders erschwerten maritimen Bedingungen kommt jedes Teammitglied sehr schnell an seine persönlichen Grenzen. Die Grenzen der notfallmedizinischen Versorgung einmal außenvorgelassen.
„So etwas muss jeder live erleben, Vorträge können diese Grenzerfahrung nicht vermitteln“, ist Dr. Stefan Schröder überzeugt, dass das Ausloten von Theorie und Praxis Rettungskräfte dabei unterstützt, unter widrigen Umständen neue Lösungsstrategien zu entwickeln und die dynamische Zusammenarbeit der einzelnen Professionen im Team zu verbessern. Kurzum: Maritime Notfallmedizin kann auch in der Eifel einen zentralen Beitrag zu einer sichereren Patientenversorgung leisten. Ein Beitrag zum Team Building ist die Arbeit auf dem Segelschiff ohnehin. Mussten gerade keine gebrochenen Knochen geschient oder kollabierte Patienten versorgt werden, galt es die Segel zu hissen und das Deck zu schrubben. Nach erfolgreichem Abschluss des Pilotprojekts soll diese Fortbildung auch in Zukunft angeboten werden.

Für August 2023 ist ein neuer Kurs geplant. Informationen gibt es per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Publiziert in Anästhesie
Dienstag, 27 April 2021 13:41

120 Teilnehmer beim ersten Online-DAS

Das Dürener Anästhesie Symposium war immer ein bisschen mehr als eine gewöhnliche Fortbildungsveranstaltung. Beim in Kurzform DAS genannten Mix aus wissenschaftlichen Vorträgen und ganz viel praktischer Übung war ein Schwerpunkt auch immer die besondere Atmosphäre. Wenn dann auch noch wie bei der letzten DAS-Auflage das Ufer des Rursees Veranstaltungsort ist, kommen viele der meist mehr als 100 Teilnehmer gerne auch von weiter her, um sich einen Tag lang intensiv mit speziellen Herausforderungen für Notärzte und Rettungshilfepersonal zu beschäftigen. Eine solche Veranstaltung in die digitale Welt zu transformieren, ist ebenfalls eine spezielle Herausforderung. Der Anästhesie im Krankenhaus Düren ist das dennoch sehr gut gelungen: Mit 120 Teilnehmern war auch die erste Online-Ausgabe des DAS ein Erfolg.

Publiziert in Anästhesie
Samstag, 26 Februar 2011 10:20

Wie der Hirsch der Lebensrettung hilft

1. Dürener Anästhesiesymposium: Notfallmedizinischer Kongress in Düren mit fast 100 Teilnehmern

Düren. Kein röhrender Hirsch aus der Eifel, aber die (Luft-)Röhre von Hirschen spielte eine Hauptrolle beim ersten Dürener Anästhesie Symposium (DAS) am 26. Februar 2011 im Kongresszentrum des Krankenhauses Düren. Knapp 100 Notärzte und Rettungsdienstmitarbeiter trafen sich zum ganztägigen Erfahrungsaustausch über die besten Rettungsmethoden in lebensbedrohlichen Situationen.

Publiziert in Anästhesie