headerline

Mit-Autoren der ersten großen deutschen Studie zur Diagnose von Covid-19 im CT (von links): Priv.-Doz. Dr. Michael Meier-Schroers, Prof. Dr. Andreas Kopp und Anton Sander. Foto: Christoph Lammertz

Erst kommt der Abstrich im tiefen Rachen, dann das Warten aufs Ergebnis aus dem Labor: Wenn von Corona-Test die Rede ist, dann ist damit in den allermeisten Fällen der PCR-Test gemeint. Mit dessen Hilfe kann das Virus in der Speichelprobe nachgewiesen werden. Doch zu 100 Prozent zuverlässig ist der PCR-Test nicht. Weil es dabei auch zu falsch negativen Ergebnissen kommt, haben Radiologen bereits zu Beginn der Corona-Pandemie auf eine zusätzliche Diagnose-Möglichkeit hingewiesen: Auch im Computertomographen (CT) kann eine Corona-Infektion nachgewiesen werden. Wie wertvoll diese zusätzliche Option sein kann, das haben Radiologen der Uniklinik RWTH Aachen und des Krankenhauses Düren jetzt in einer Studie nachgewiesen.

„Die Niedrigdosis-Computertomografie der Lunge wurde schon früh zur Behandlungssteuerung von Patienten mit Covid-19 eingesetzt“, sagt Prof. Andreas Kopp, Chefarzt der Radiologie im Krankenhaus Düren. Dabei habe sich gezeigt, dass die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenentzündung im CT häufig einen typischen Befund erzeugt. „Zu sehen sind Milchglas-Trübungen an den Lungenseiten. Ein weiteres charakteristisches Erscheinungsbild erinnert an ein unregelmäßig verlegtes Straßenpflaster“, erklärt Prof. Kopp. Mit seinen Dürener Kollegen Priv.-Doz. Dr. Michael Meier-Schroers und Anton Sander war er an der ersten Studie zur Zuverlässigkeit dieser Diagnose-Methode beteiligt. In der Aachener Uniklinik und im Krankenhaus Düren wurden zwischen Mitte März und Anfang Mai bei 191 Patienten mit Covid-19-Symptomen sowohl PCR-Test als auch die CT-Diagnose durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass die Untersuchung im Computertomographen ein sehr präzises Instrument für die Corona-Diagnostik ist. „Die Zuverlässigkeit ist absolut vergleichbar mit der des PCR-Tests“, berichtet Priv.-Doz. Dr. Meier-Schroers. „Allerdings haben wir das Ergebnis im Schnitt nach 9 Minuten, also wesentlich schneller als das Laborergebnis des Abstrichs.“ Zudem hätten sechs falsch negative Ergebnisse des PCR-Tests durch die CT-Untersuchung korrigiert werden können.

Was heißt das nun für die Covid-19-Diagnostik? „Unsere Ergebnisse unterstützen den Vorschlag, in bestimmten Situationen bei Patienten mit Corona-Symptomen die Niedrigdosis-CT parallel zur PCR-Testung einzusetzen, um die Verlässlichkeit der Diagnose zu erhöhen und den Schweregrad der Erkrankung zu bestimmen“, sagt Prof. Kopp. Das Krankenhaus Düren verfügt über zwei hochmoderne Computertomographen, um Patienten mit Verdacht auf Covid-Lungenentzündung rund um die Uhr schnell und schonend zu diagnostizieren.

Veröffentlicht wird die Studie im Deutschen Ärzteblatt, Ausgabe 1. Juni 2020.

Ähnliche Artikel

Mehr in dieser Kategorie: « Schnell, schonend, scheibchenweise