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Das alte Krankenhaus an der RoonstraßeNach Plänen des neuen Stadtbaumeisters Heinrich Dauer wurde das neue Krankenhaus an der Roonstraße für 1,33 Mio. Mark errichtet und am 27.Oktober 1909 eingeweiht.

195 Betten standen für die Abteilungen für innere Krankheiten, Chirurgie, HNO, Augen- und Hautkrankheiten zur Verfügung.

Durch den späteren Neubau eines Infektionshauses 1925 und eines Wöchnerinnenheimes mit 19 Betten 1936 wurde das Krankenhaus vor dem zweiten Weltkrieg auf 400 Betten vergrößert.

Dann kam der 16. November 1944. In seinem Tagebuch schreibt der damalige chirurgische Oberarzt Dr. Fischer:

Um 15.15 Uhr an diesem Tage, dem 16.11.1944, plötzlich ein tosendes Rauschen. Ich selbst befand mich mit einer jungen Assistentin, Frl. Dr. Erz, einem Pfleger, einer instrumentierenden Nonne, einer Narkoseschwester und einem Springer in dem Behelfsoperationssaal der Station V unten im Keller.

Sein Fenster hatte eine 60 cm breite Backststeinschutzwand mit einem 20 cm hohen Spalt zum Luft- und Lichteintritt oben. Die ersten Einschläge enormer Gewalt lagen bereits in nächster Nähe.

Ein Patient lag bei uns in tiefer Narkose auf dem Tisch, er hatte einen Granatsplitter im Gesäß, der inzwischen herausgeholt war. Die Fenster unseres Operationssales zersprangen, das Fensterkreuz fiel herein und traf meinen Arm. Die Operationslampe platzte und erlosch. Der Instrumententisch fiel um. Es war noch eben möglich, dem Patienten einen Streifen in die Wunde hineinzugeben und einen Verband zu befestigen, dann rannte alles zur Türe. Es war kein Zweifel mehr, trotz der riesigen roten Kreuze, die an allen Fronten der Krankenanstalten, auf allen Dächern und im Hofe ausgelegt und markiert waren, wurde das Krankenhaus bombardiert. Der Pfleger und die Schwester waren davon. Die junge Assistentin und ich verbanden den Patienten in fliegender Eile und schleppten den Narkotisierten auf unserem Rücken, nackt wie er war, in den anstoßenden Flur, wo er auf einer Trage unter ein Streckbett geschoben wurde. Hier war er zunächst in Sicherheit.

um 1930Dann brach das Inferno los.

Weiter berichtet Dr. Fischer nach dem Angriff:

Eine halbe Stunde war vergangen. Mir war inzwischen aufgefallen, dass kein Sanitätsauto und keine Verletzten zum Krankenhaus gebracht wurden und beunruhigt hierüber, begab ich mich hinüber in ... die Operationsbunker, um nachzusehen. Es dauerte zwar auch sonst immer eine Weile, ehe nach Angriffen die Fahrzeuge durchkamen, aber immerhin war schon mehr als eine halbe Stunde verflossen. Im Krankenhaus-Operationsbunker traf ich auf Prof. Kraft und seine Frau mit einigen Schwestern. Die Gesichter aller Menschen waren grau und hatten eigentümliche Züge. ... In der Tat gab es nur sporadisch einen Verletzten zu versorgen, der sich selbst heranschleppte oder in irgendeiner Zeltbahn herangetragen wurde. Der Grund hierfür war, dass die Stadt so fürchterlich zerbombt war, dass die meisten keine Hilfe mehr nötig hatte und kein Fahrzeug hinein und heraus konnte.

Düren nach dem Bombenangriff vom 16.11.1944An diesem Tag starben über 3000 Menschen in den Trümmern, 95 Prozent der Stadt wurde unwiederbringlich zerstört.

Das Krankenhaus überstand den Angriff als eines der wenigen öffentlichen Gebäude, wenn auch schwer beschädigt.

Am nächsten Morgen wurden die Stadt und das Krankenhaus evakuiert.

Im Mai 1945 wurden im schwer beschädigten Krankenhaus wieder die ersten Kranken behandelt, die aber wegen Instandsetzungsarbeiten bereits wenige Wochen später in die weniger beschädigten Krankenhäuser Stolberg und Birkesdorf verlegt wurden.

 

Am 28. August 1945

muss das Krankenhaus wegen einer sich anbahnenden Epidemie auf Anordnung der Militärregierung mit Thyphuskranken erneut belegt werden.

Im April 1946

ist die innere Abteilung der Krankenanstalten soweit hergerichtet, daß stationäre Kranke in dringenden Fällen aufgenommen werden können.

1947

wird eine Krankenpflegeschule gegründet, 1948 die Augen- und die HNO-Abteilung wiedereröffnet. Am 10. November 1950 beschließen die Stadtverordneten die Einrichtung einer Kinderstation.

1952

wird eine urologische Belegabteilung unter Leitung von Dr. med. Kirsch in Betrieb genommen.

Ähnlich wie bereits zweimal in den letzten hundert Jahren erwies sich das Krankenhaus in der stark wachsenden Stadt bald als unzulänglich.

Ab 1959

befasste sich daher die Stadtverwaltung mit Erweiterungsplänen. Die Entscheidung fiel wieder für einen Neubau.

Bis zum ersten Spatenstich am 19. Oktober 1970 und der Einweihung am 4. Juni 1976 sollten allerdings noch einige Jahre ins Land gehen.

Im Juni 1967

wurde durch die Stadt mit ihrer Krankenanstalt und den Kreis durch das kreiseigene Krankenhaus in Langerwehe der Zweckverband Krankenanstalten gegründet. Im September des gleichen Jahres wird eine der ersten selbständigen Anästhesieabteilungen eingerichtet. Erster Chefarzt wird Dr. med. H.H. Krause.

Am 31.März 1975

verließen dann die letzten 23 Schwestern der Elisabethinnen nach fast 325-jähriger Tätigkeit des Ordens in der Dürener Krankenpflege wegen des anhaltenden Nachwuchsmangels das Krankenhaus und kehrten in ihr Mutterhaus zurück.

Am 2. Januar 1977

wurde dann das -alte- Dürener Krankenhaus abgerissen. Viele haben dies im Nachhinein bedauert. War doch mit dem Abriss einer der schönsten Krankenhausbauten aus wilhelminischer Zeit, eines der wenigen Gebäude, das den Krieg in Düren überstanden hatte, für immer verloren. Ein Teil seiner repräsentativen Sandsteinquader, seiner schmiedeeisernen Geländer und andere Bauteile wurden benutzt um Schloss Burgau zu renovieren.

 

Quellenangaben

Urkunden, Testamente und Gasthausrechnungen: Stadtarchiv Düren - Historisches Archiv der Stadt Köln -Brans, H.O.: Hospitäler, Siechenhäuser bis zum Ende des 18. Jahrhunderts - Ruland, Gottfried: Geschichte des Medizinalwesens der Stadt Düren bis zum Jahre 1910, Med. Dis. Düsseldorf 1939. Weitere Informationen per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!