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Über die Versorgung schwerverletzter Patienten sprachen im Foyer des Kran-kenhauses (v.l.) Dr. Kirsten Oelbracht, Dr. Dirk Antoine, Andreas Hohn und Dr. Uwe Lessing. Foto: Christoph Lammertz

Vier Ärzte berichten über die Versorgung schwerverletzter Patienten

Düren. Franz-Georg Simons musste einmal ganz tief Luft holen. Dann schaute er auf und sagte: „Ich bin sehr froh, dass ich heute Abend hier bei Ihnen sein kann.“ Vor knapp fünf Monaten war der 53-Jährige nach einem schlimmen Unfall beim Motocrossfahren mit schwersten Verletzungen ins Dürener Krankenhaus gebracht worden. Jetzt konnte er den erstaunten Gästen des Patientenforums von Krankenhaus und AOK Rheinland/Hamburg zeigen, wie gut erholt er ist. Seine Geschichte war der rote Faden des Abends unter dem Titel „Der schwerverletzte Patient“. Vier Ärzte der Klinik an der Roonstraße berichteten aus Sicht ihrer vier Fachrichtungen über die Versorgung sogenannter Polytrauma-Patienten. Franz-Georg Simons gab diesen Patienten ein Gesicht und machte den Vortragsabend damit noch interessanter und authentischer.

„Frakturen der 3. bis 9. Rippe, eine schwer geschädigte Lunge, ein Milzriss, Brüche des 4. und 5. Brustwirbels mit der Gefahr einer Querschnittlähmung und eine schwer verletzte Schulter“ – Dr. Uwe Lessing, Ärztlicher Leiter des regionalen Traumazentrums am Krankenhaus Düren, erzeugte mit der Diagnose, die Franz-Georg Simons nach seinem Unfall gestellt wurde, manch erschrockenes Gesicht im Publikum. Ab einem ISS-Wert von 16 gelte ein Patient als polytraumatisiert, also in unterschiedlichen Körperregionen schwerstverletzt, erklärte Lessing. Bei Simons war es ein Wert von 38. Von der Erstversorgung am Unfallort bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus zeichneten die Referenten seinen Weg nach. Aus Sicht des Rettungsdienstes übernahm dies Dr. Kirsten Oelbracht, Leitende Ärztin der Zentralen Notaufnahme im Krankenhaus Düren, die auch moderierend durch den Abend führte. Eine kurze, aber ausführliche Untersuchung von Kopf bis Fuß nehme der Notarzt am Unfallort vor, erklärte Oelbracht. Schmerztherapie, Auswahl der passenden Klinik und schließlich die Übergabe im Schockraum des Krankenhauses, seien die weiteren Schritte. Unfallchirurg Dr. Lessing berichtete, dass die Überlebenschancen Schwerstverletzter in den vergangenen Jahren nicht zuletzt dank der Gründung regionaler Traumanetzwerke deutlich gestiegen seien. Das Krankenhaus Düren ist im Netzwerk „Euregio Aachen“ als regionales Zentrum eingestuft. Dr. Lessing berichtete über die Anforderungen an ein Traumazentrum, stellte die interdisziplinäre Zusammenarbeit vor, die im Schockraum beginnt, und erläuterte schließlich die Maßnahmen der Unfallchirurgen im Fall des Patienten Simons.

Dr. Dirk Antoine, Stellvertretender Chefarzt der Allgemeinchirurgie im Dürener Krankenhaus, richtete den Blick der Zuhörer auf Verletzungen der Organe. „Innere Verletzungen können zum Verbluten führen, ohne dass ein Tropfen Blut nach außen gedrungen ist“, sagte Antoine. Im Fall von Franz-Georg Simons habe man die Milz entfernen und einen Lungenflügel wieder aufbauen müssen. Wie es für den Patienten auf der Intensivstation weiterging, schilderte Intensivmediziner Andreas Hohn. Atmung, Kreislauf, Leber- und Nierenfunktion, Blutgerinnung, Stoffwechsel und Therapie von Infektionen seien die wichtigsten Stichworte bei der Versorgung von Patienten auf der operativen Intensivstation. Ziel sei es dort, die Patienten zu stabilisieren, Sekundärschäden zu vermeiden und schließlich die individuellen Ressourcen wieder aufzubauen, erklärte der Oberarzt.
Wie dies beispielhaft gelingen kann, dafür bot Franz-Georg Simons zum Abschluss der Veranstal-tung besten Anschauungsunterricht.